Update: 18.08.2016

Bismarckturm auf Windmühlenruine
Der Bismarckturm in Frankfurt-Lichtenberg

Vorbemerkung

Der Bismarckturm in Frankfurt-Lichtenberg wurde wie der Bismarckturm in Tecklenburg/NRW auf der Ruine einer alten Windmühle errichtet. Nach der Errichtung der Mühle im Jahre 1694 brannte die Windmühle bis 1861 insgesamt vier Mal ab. Am 28.08.1861 wurde eine neue Windmühle auf dem Mühlenberg errichtet (wurde 1920 durch einen Sturm vernichtet).


Bauplanung

Initiiert wurde der Bau der Feuersäule vom 1895 gegründeten Kriegerverein Lichtenberg und Umgebung auf Vorschlag des Oberamtsmanns Koppe aus Wollup sowie des Rittmeisters Werner Schulz aus Lichtenberg-Rosengarten.

Die Kosten für den Turmbau betrugen 3.000 Mark. Gestiftet wurde das Bauwerk vom Rittergutsbesitzer Schulz.


Bauarbeiten

Der Umbau der alten Windmühle wurde ab dem 01.10.1905 vorgenommen.

Den Entwurf lieferte Maurermeister Henkel aus Briesen i. Mark, der auch für die Ausführung der Bauarbeiten verantwortlich war.

Als Baumaterial wurden Granitsteine und Feldstein-Findlinge benutzt. Der obere Teil des Turmes wurde mit Ziegelsteinen doppelt abgesetzt.


Turmbeschreibung

Die 5,70 m hohe Feuersäule ohne Aussichtsfunktion hat einen runden Grundriss mit einem Durchmesser von 10,50 m.

Die Mauerbreite des Turmes beträgt auf der Eingangsseite 1,15 m und auf der Rückseite 0,70 m. Über eine einfache Stiege war die 1,15 m über dem Bodenniveau befindliche hölzerne Eingangstür (1,07 m x 2,23 m) erreichbar.

Oberhalb der Eingangstür wurde in einer 0,13 m tiefen Nische eine rechteckige Relieftafel (Reliefkopf Bismarcks aus Kupfer, Außenmaße 1,00 m x 0,75 m) mit der Inschrift

Ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelm I./
Seinem Gedenken gewidmet, den 1. April 1906
Rittmeister Schulz-Rosengarten

angebracht. Die Relieftafel wurde in der Bronzegießerei Gladenbeck & Sohn in Berlin-Friedrichshagen hergestellt.

Der Innendurchmesser variiert durch die unterschiedlichen Mauerstärken leicht und beträgt bis zu 8,00 m. Die Innenhöhe des Turmraumes beträgt 4,85 m.

Auf das Flachdach wurde eine Eisenkonstruktion mit einer ca. 0,80 m x 0,80 m großen Feuerschale aufgesetzt. Die kupferne Feuerschale mit einem Durchmesser von 2,50 m wurde mit einer Mischung aus 5 kg Pech, 5 kg Schwefel, 2,5 kg Werg (Flachs- und Hanffasermaterial) und 10 Liter Petroleum befeuert. Die Brenndauer betrug 1 bis 1,5 Stunden.

Über eine rückseitig liegende Eisenleiter war das Flachdach besteigbar.


Turmgeschichte

Die Einweihung des Turmes wurde am 01.04.1906 im Rahmen einer Feier durchgeführt. Der "Weiheakt" wurde von Landrat Dr. Kleiner durchgeführt. In den Abendstunden des Einweihungstages wurde das erste Feuer auf der Säule entzündet.

Im Jahr 1911 und in Folgejahren wurden jährlich zum 01. April Bismarck-Feiern und andere patriotische Veranstaltungen abgehalten.

Im Jahr 1945 wurde der Turm durch Artilleriebeschuss beschädigt und diente zeitweise als Kadaverhaus.

Im August 2002 wurde der Turm in stark ruinösem Zustand vorgefunden. Nur der Unterbau mit rundem Grundriss war erhalten. Der von der Straße abgewandte Teil des Turmes und das Dach fehlen.

Durch eine Unterschriftenaktion in Lichtenberg, an der sich 98 % der im Dorf lebenden Personen (450 Einwohner) beteiligten, konnte der Bismarckturm vor dem geplanten endgültigen Abriss bewahrt werden.

Eine Spendensammlung zur Erhaltung des Bismarckturmes ergab einen Betrag von 7.000 €. Lichtenberger sammelten zudem Feldsteine, die verbaut werden sollen.

Im Oktober 2006 begannen die Sanierungsarbeiten am Turm. Aufgrund von Geldmangel (die Stadt bezuschusste die Baumaßnahme mit 3.000 EURO) mussten die Baumaßnahmen vor Abschluss der Sanierung Ende Oktober 2006 eingestellt werden.

Seit Oktober 2013 werden die Sanierungsarbeiten mit Spendenmitteln und einem finanziellen Zuschuss der Stadt Frankfurt (Oder) fortgesetzt. In insgesamt vier Bauabschnitten soll das Bauwerk bis 2016 komplett saniert werden.

Auf der Rückseite wurden eine neues Eingangsportal (1,15 m x 2,95 m) sowie drei Fenster (1,15 m x 2,57 m, mit Vergitterungen) eingelassen.

Ein Dach wurde bis Mai 2015 nicht auf den Turm gesetzt.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 150
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von ROSENGARTEN b. Lichtenberg (Brandenburg)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 123 "Bismarck-Feuersäule zu Lichtenberg-Rosengarten/nahe von Frankfurt/Oder", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 110), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)


Fotografen

- Roland Thom, Frankfurt/Oder (undatiert)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (August 2002, Mai 2015)
- Raik Westphal, Frankfurt/Oder (2003)
- Ralf Löhder, Eisenhüttenstadt (Oktober 2006 und Dezember 2009)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2015)