Update: 19.10.2017

1,5 Millionen rote Steine für den Turm
Der Bismarckturm in Burg (Spreewald)

Bauplanung

Bereits Pfingsten 1900 plante ein Komitee unter Führung von Sanitätsrat Dr. Robert Behla (1850-1921) aus Luckau zur Förderung des Fremdenverkehrs einen Spreewald-Aussichtsturm auf dem Schlossberg in Burg zu errichten. Am 03.06.1900 erschien im Cottbuser Anzeiger ein "Aufruf zur Errichtung eines Spreewald-Aussichtsthurmes in Burg" mit der Bitte um Geldspenden.

Es dauerte jedoch bis 1910, bis der Burger Spreewaldverein den Bau des Turmes in Burg (Spreewald) konkretisieren konnte, da man sich über den Schlossberg als Standort, der nach Angaben der Kritiker zu weit im Osten des Spreewaldes liege, nicht einigen konnte.

Nach längeren Diskussionen entschied man sich endgültig für den Schlossberg als Turmstandort. Bereits in der Steinzeit soll hier eine Erdburg gestanden haben, die den Menschen als Schutz vor Hochwasser und als Rückzugsort bei feindlichen Angriffen gedient haben soll. Auch in der Slawenzeit soll die Wallburg als starke Feste gedient haben. Um den Schlossberg und die ehemalige Ringanlage ranken sich viele Sagen und Märchen, die vom Schloss des letzten Wendenkönigs und ungeheuren Schätzen erzählen. Bereits im Jahre 1897 wurde die Form des Berges durch einen Eisenbahndurchstich verändert. Zudem sollte der gesamte Hügel abgetragen werden, um Kies für den Eisenbahnbau zu gewinnen. Als Bauplatz hatte man den Schlossberg ausgewählt, weil man diesen historischen Berg durch einen Aussichtsturm erhalten wollte. In einer Sitzung des Burger Spreewaldvereins wurde beschlossen, den Schlossberg nach und nach zu erwerben.

Der Verein wandte sich am 10. Mai 1910 mit einem Aufruf an die Bevölkerung, den Bau eines Aussichtsturmes, hier nun konkret als Bismarckturm, finanziell zu unterstützen.

Heimatforscher Rektor Rogatz aus Berlin entwickelte die Idee des Bismarckturmes weiter, indem er vorschlug, auch Museumsräume im Bauwerk anzulegen, um die archäologischen Funde des historischen Berges ausstellen zu können. Es wurde eine Schlossbergerwerbs- sowie eine Museumskommission gewählt. Zur Unterstützung dieses Vorhabens nahm man Kontakt zum Cottbuser Spreewaldverein und dem Cottbuser Verein für Heimatschutz auf. Bereits im Juni 1910 kamen Sammelbüchsen in den Umlauf.

Im Herbst 1911 war der Baufonds auf 15.000 Mark angewachsen.

Der damalige Landrat des Landkreises Cottbus, Freiherr Oskar von Wackerbarth, regte den Kauf des ca. 5 ha großen Geländes an. In einer Kreistagssitzung des Landkreises Cottbus wurde daraufhin im Herbst 1913 beschlossen, die zur Erhaltung des Schlossberges und die für die Errichtung des Bismarckturmes erforderlichen Liegenschaften für den Landkreis zu erwerben. Die Geldmittel für den Kauf sollten aus dem Baufonds des Komitees entnommen werden. Der Landkreis Cottbus verpflichtete sich, die Pflege und Unterhaltung des Bismarckturmes nach Fertigstellung zu übernehmen.

Das 5 ha große Gelände (Schlossberg) wurde vom Kreis sukzessiv erworben, die Provinz Brandenburg stellte dafür 60.000 Mark zur Verfügung.

Mit dem Entwurf des Aussichtsturmes mit Feuerschale wurde der Berliner Architekt Prof. Bruno Möhring beauftragt. Dieser hatte einige Jahre zuvor die Bismarckwarte in Brandenburg entworfen.

Nach Ausbruch des Krieges im Jahr 1914 wurde der Plan, den Bismarckturm bauen zu lassen, vorerst zurückgestellt. Im Frühjahr 1915 entschloss man sich, mit dem Bau des Bismarckturmes zu beginnen und gleichzeitig als Denkmal der „gefallenen Helden“ des Krieges auszugestalten.

Neben den Spenden der Einwohner von Cottbus und Burg (Spreewald) beteiligten sich insbesondere auch Gutsbesitzer aus der unmittelbaren Umgebung. Das Grundkapital für den Turmbau wurde aus Spendenmitteln aufgebracht.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 70.000 Mark (inkl. Architekten-Honorar).


Bauarbeiten

Ausgeführt wurde der Entwurf vom Architekten Hermann Hauke der Cottbuser Firma Dümpert & Hauke.

Das Bauwerk wurde aus ca. 1,5 Millionen roten Calauer Klinkersteinen aus der Calauer Ottilienhütte errichtet. Die Brüstungen wurden mit Granit abgedeckt.

Das Bauwerk konnte zu Kriegszeiten erst im Jahr 1917 fertig gestellt werden, wobei man den Turm auch als Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges einrichtete.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der ursprünglich 27 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen 1,00 m hohen quadratischen Sockel mit einer Kantenlänge von 13,77 m.

Zwei dem Turm vorgelagerte Freitreppen mit sieben und sechs Stufen führen auf der Südwestseite zum Rundbogenportal, welches mit einem schmiedeisernen Gitter verschlossen wurde.

Auf dem Sockel erhebt sich das quadratische erste Turmgeschoss (9,35 m x 9,35 m), das im unteren Bereich von der Gedenkhalle mit 28 Pfeilern umgeben ist und die untere Plattform trägt. Die Turmmauern der Gedenkhalle enthalten auf der Außenseite flache Nischen zur Anbringung der Gedenktafeln für die Gefallenen. Der Grundriss des Erdgeschosses besteht aus einem achtseitigen kuppelüberdachten Mittelraum und vier in den Hauptachsen angeschlossenen Apsiden, die halbkreisförmig in den Hauptraum schneiden.

Die Gedenkhalle wurde bis in eine Höhe von 2,70 m mit glatten grünfarbigen Majolikaplatten, gefertigt und gebrannt von Ernst Teichert aus Meißen, verkleidet. Oberhalb dieser gebrannten Keramikplatten wurden Ornamente angebracht, die den Anschluss zu den schlichten, in hellem Putzton gehaltenen Gewölben bildeten.

In einer halbkreisförmigen Nische gegenüber dem Haupteingang (Nordostseite) wurde eine Bismarck-Büste in Eisen von Bildhauer Hermann Hosaeus aus Berlin mit der Widmung im Granitsockel

"IHM
DER AUS VOLKES NACHT
UND NOT GEGRÜNDET
REICH und KAISERMACHT
und
IHNEN
DEREN HELDENTOD
SEIN RIESENWERK
ERST GANZ VOLLBRACHT
"

angebracht. Diese Nische ist tief gegliedert und zeigt eine reich ornamentierte Umrahmung. Im Gegensatz dazu stehen in den seitlichen Apsiden in einfach gehaltenen Einfassungen eiserne Stiftertafeln, die von den Bildhauern Georg Roch und Hermann Feuerhahn aus Berlin gefertigt und von Noack in Berlin-Friedenau gegossen wurden. Der Fußboden der Gedenkhalle zeigt ein einfaches Backsteinmuster.

Die Ecken des Turmkörpers wurden für die Anlage zweier Treppenaufgänge und einen Wärterraum genutzt.

Über die beiden Wendeltreppen (Auf- und Abgang) mit jeweils 26 Steinstufen (je 1,00 m breit und 0,18 m hoch) gelangt man zum Umgang des Turmes (untere Plattform). Über 15 Stufen und weitere 70 Steinstufen (5 Absätze à 14 Stufen) erreicht man die obere Besucherplattform. Von hier aus ist über eine Metallwendeltreppe mit 26 Stufen (+ eine Steinstufe beim Austritt) der achteckigen Turmkopf mit Feuerschale zu erreichen. Die Gesamtzahl der Stufen beträgt 138.

Im Mai 1999 wurde mittig der oberen Plattform ein Glas-Stahl-Austritt installiert. Dadurch stieg die Gesamthöhe des Turmes auf 28 m.

In 5 m und 21 m Höhe befinden sich zwei Aussichtsplattformen. An der unteren Brüstung der Eingangsseite wurde ein Bismarckwappen angebracht.


Turmgeschichte

Am 02.09.1917 fand die Einweihung des Bismarckturmes statt. Der Schlüssel zur Besteigung des Turmes wurde in einem nahen Restaurant aufbewahrt. In den Folgejahren fanden am Turm mehrere festliche Veranstaltungen statt.

Nach 1933 wurde der Turm von den Nationalsozialisten für inszenierte Sonnenwendfeiern missbraucht. Zudem wurden politische Kundgebungen am Turm, ua. im Juni 1933, durchgeführt. Im Juni 1938 wurde eine Sonnenwendfeier am Turm durchgeführt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde 1944 ein Beobachtungspunkt für die Luftwaffe auf dem Turm eingerichtet. Auf dem Turmkopf wurde eine quadratische Holzlaube installiert (wahrscheinlich wurde bereits zu dieser Zeit die Feuerschale entfernt). Zudem wurde er als Funkleitstelle der deutschen Wehrmacht genutzt.

Eine 1945 geplante Sprengung, die Sprengsätze waren schon angebracht, soll von einem russischen Kommandanten verhindert worden sein [diese Angaben sind nicht gesichert].

Nach 1945 wurden die Bismarckbüste und die Stiftertafeln in den Apsiden entfernt, die Inschrift im Granitsockel wurde unleserlich gemacht (ursprüngliche Widmung wurde auf neuer Tafel angebracht). Der Verbleib der beiden Stiftertafeln ist nicht bekannt. Die Bildnisse Wilhelm Piecks und Otto Grotewohls wurden am Turm befestigt.

Am 11.06.1950 veranstaltete die evangelische Kirche das Lausitzer Jugendtreffen am Bismarckturm.

Im August 1951 wurde er im Rahmen eines Deutschlandtreffens der Jugend in Berlin in "Turm der Jugend" umbenannt. Am Bauwerk fanden nach 1950 mehrere Groß-Veranstaltungen statt (FDJ-Veranstaltungen, Feierstunde der brandenburgischen Jugendkirchengemeinden, lokale Chor- und Sportveranstaltungen).

Im Juli 1957 wurden im Inneren des Turmes von einem Spezialisten der Fa. Paratect Feuchtigkeitsschäden festgestellt. Die Sanierungskosten wurden auf 60.000 DDR-Mark geschätzt. Im Februar 1959 wurde vom Bausachverständigen Dr. Heinz Dahl (Hochschule für Bauwesen Cottbus) ein Gutachten zur Standsicherheit des Turmes der Jugend erstellt. Hierbei wurde festgestellt, dass eine Instandsetzung des Bauwerks möglich ist.

Kurz darauf wurde die massive Brüstung der ersten Plattform durch ein umlaufendes Geländer ersetzt, wie es Dr. Dahl in seinem Gutachten vorgeschlagen hatte.

Weitere Sanierungsmaßnahmen blieben aus, sodass bis 1964 über den Abriss des Turmes diskutiert wurde. Durch Wasser- und Frostschäden war das Bauwerk über viele Jahre in einem desolaten Zustand.

Am 15.12.1964 forderten Einwohner auf einer Gemeindevertreterversammlung den Erhalt des Jugendturmes. Am 07.01.1965 wurde nach einer Begehung des Turmes, u.a. unter Beteiligung des Kreisbauamtes und der Abteilung Kultur des Landkreises beschlossen, den baulichen Zustand zu untersuchen. Am Bauwerk wurde kleinere Ausbesserungsarbeiten vorgenommen und Spenden für eine Sanierung gesammelt. Ende 1965 stellte der Rat des Kreises 37.000 Mark für eine Sanierung in Aussicht. Im September 1966 wurde der Turm nach den erfolgten Sanierungsarbeiten wieder für Besucher geöffnet.

Der Turm der Jugend war zu DDR-Zeiten, außer wegen vorübergehender Schließung wegen Bauschäden oder bei der Durchführung von Sanierungsmaßnahmen, überwiegend für Besucher geöffnet. Im Jahr 1968 wurden 2.515 Mark an Eintrittsgeldern eingenommen.

Der Jugendturm wurde zum 01.01.1981 - nach Beschluss des Rates des Kreis Cottbus vom 27.03.1977 - in die Kreisdenkmalliste aufgenommen.

Im Juli 1985 wurden nach Besichtigung des Turmes erneut Bauschäden festgestellt. Etwa ein Dutzend Handwerker und Gewerbetreibende behoben auf freiwilliger Basis im Jahr 1987 in 1.100 Arbeitsstunden Schäden am Bauwerk und pflegten das Umfeld.

Am 03. Oktober 1990 wurde der seit Monaten für Besucher geschlossene Turm nach erfolgter Sanierung im Rahmen eines Volksfestes in Bismarckturm zurückbenannt. Spendenaktionen wurden durchgeführt, um das Bauwerk zu retten. Die Brüstung der unteren Plattform wurde im Frühjahr 1991, diesmal ohne Bismarck-Wappen, erneuert. Anschließend wurde das Bauwerk regelmäßig für Besucher geöffnet.

Am 17.10.1991 wurde bei einer Abstimmung in der Burger Gemeindevertretung festgelegt, dass die Inschrift auf der Gedenktafel nicht geändert wird. Eine bereits erstellte Inschrift-Alternative wurde abgelehnt.

Weitere Sanierungsarbeiten (Regenentwässerung, Fenster, Mauerarbeiten usw.) wurden 1993 durchgeführt. Für 130.000 DM wurden 1998 die drei oberen Geschossebenen instand gesetzt. Am 12.05.1999 wurde die Kuppel aus Stahl und Glas auf den Turm gesetzt.

Statt der immer noch fehlenden Bismarck-Büste wurde ein Bismarck-Bild, nach 2006 ein Bismarck-Medaillon in der Innen-Nische befestigt. Am Sockel der Büste weist seitdem eine Tafel auf die ehemalige Sockelinschrift hin.

Im Frühjahr 2006 wurde etwa 200 m vor dem Turm eine Gastwirtschaft (Bismarck-Schänke) eröffnet.

Im Jahr 2007 wurde der Turm für 65.000 EUR saniert (Putz in der Halle und den Treppenaufgängen ausgebessert, Installation einer Notbeleuchtung, acht Türen erneuert, Einrichtung eines Sanitär- und Aufenthaltsraumes).

Seit 2006 wird jährlich (außer im Jahr 2013) am Bismarckturm die Spreewälder Sagennacht mit abschließendem Feuerwerk durchgeführt.

Im Oktober 2012 wurden Verfugungsarbeiten durchgeführt. Hierbei wurde das komplette Mauerwerk neu verfugt.

14 LED-Strahler vom Cottbuser Lichtplanungsbüro "leuchtstoff" wurden im Oktober 2014 auf den vier Ebenen des Turmes installiert. Der Bismarckturm kann seitdem in verschiedenen Farben beleuchtet werden.

Im Juli 2017 wurde zu Spenden für eine neue Bismarckbüste im Turm aufgerufen.

Am 02.09. und 03.09.2017 wurde das 100jährige Jubiläum des Bismarckturmes gefeiert. Eine Foto-Ausstellung zeigte ausführlich die Geschichte des Bismarckturmes. Zudem wurde die neue, durch Spenden finanzierte Bismarck-Büste eingeweiht.


Nächste Spreewälder Sagennacht am Bismarckturm: 03.-05. Juni 2018

Öffnungszeiten (Stand: 2017):

April bis Juni täglich von 10:00 - 18:00 Uhr
Juli bis August täglich von 10:00 - 19:00 Uhr
September bis Oktober täglich von 10:00 - 18:00 Uhr
Öffnungen von November bis März auf Anfrage

Eintrittspreise:

Erwachsene: 1,50 Euro (mit Gästecard 1,00 Euro)
Kinder über 6 Jahre: 1,00 Euro (mit Gästecard 0,50 Euro)
Kinder unter 6 Jahre: freier Eintritt


Links

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Spreewälder Sagennacht


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 181-182
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von BURG/Spreewald (Brandenburg)
- Hübener, Dieter: „Der Bismarckturm von Bruno Möhring auf dem Schlossberg“ in „Brandenburgische Denkmalpflege, Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1992, Jahrgang 1, Heft 2, S. 71-74
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 8. Jahrgang 1910 (Nr. 6, S. 100/101; Nr. 10/11, S. 172/173), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 8, S. 152/153)
- Zentralblatt der Bauverwaltung, 37. Jahrgang,  Nr. 91 vom 10.11.1917, S. 545-547
- Ausstellung 100 Jahre Bismarckturm Burg der Gemeinde Burg (Spreewald) [September 2017 am Bismarckturm]


Fotografen

Jörg Bielefeld, Remscheid (Juni 2006 und September 2017)
Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juni 2008)
Albrecht Behrends, Bochum (April 2010)
Siegfried Malk, Burg (Spreewald) (September 2017)


Einweihung der Bismarckbüste beim Turmjubiläum am 02.09.2017