Update: 18.08.2016

Die vorletzte"Götterdämmerung"
Der Bismarckturm in Weißenburg

Als vorletzte Bismarcksäule nach dem von der deutschen Studentenschaft preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis wurde der 12,65 m hohe Turm am Südwesthang des Rohrberges in Weißenburg am 24.06.1911 eingeweiht.


Bauplanung

Bereits im Jahr 1900 gab es in Weißenburg erste Bestrebungen, eine Bismarcksäule zu errichten.

Doch erst am 29.11.1903 trafen sich drei Weißenburger Bürger (Rektor Georg Kuppler, Unternehmer Wilhelm Tröltsch und Karl Wägemann) mit Bürgermeister Dr. Hans Küfner im Rathaus, um den Bau eines Bismarckturmes zu planen.

Am 08.12.1903 wurde auf einer Versammlung der Weißenburger Vereinsvorstände das weitere Vorgehen besprochen. Auf dieser Versammlung nahmen Vorstandsmitglieder von zwanzig Weißenburger Vereinen teil. Realschuldirektor Kuppler wurde mit der Leitung der weiteren Planung betraut. Zudem wurde eine Kommission gebildet, die die Vorarbeiten für eine Vereinsgründung leisten sollte.

Am 10. Juni 1904 wurde der "Verein zur Errichtung eines Bismarckturmes auf der Wülzburg" unter Vorsitz des städtischen Forstmeisters Krebs gegründet. Dem Verein traten sofort 107 Mitglieder bei. Als 2. Vorsitzender wurde der praktische Arzt Dr. H. Doerfler, als 1. Schriftführer Karl Loy, als 2. Schriftführer Konrad Daiber und als Kassierer Fabrikant Karl Friedrich Gustav Raab gewählt. Vereinszweck war die Sammlung von Spendenbeiträgen für den Turmbau. Bereits bei der Vereinsgründung hatte man sich für den preisgekrönten Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis entschieden, der auf der Wülzburg errichtet werden sollte. Der Bau dieses Turmes wurde mit Kosten von 11.500 Mark veranschlagt.

Nach kurzer Zeit wuchs der Baufonds durch Spenden auf 2.600 Mark an. Dazu kamen jährlich 1.000 Mark an Beiträgen der Vereinsmitglieder. Der Weißenburger Unternehmer Wilhelm Tröltsch (1840-1925) stiftete 1.500 Mark für den Turmbau.

Der Stadtmagistrat sicherte am 21.07.1904 zunächst eine jährliche Summe von 250 Mark zu. Das Gemeinde-Kollegium lehnte diesen Zuschuss aber mit der Mehrheit der Stimmen ab. Nach einem neu gestellten Antrag des Stadtrates wurde ein einmaliger Zuschuss von 400 Mark bewilligt.

Für die Vorarbeiten des Turmbaus wurde im Verein ein eigener Ausschuss gegründet.

Weitere Geldmittel wurden durch Veranstaltungen seitens des Bismarckturm-Vereins erzielt.

In der Nacht vom 31.03. auf den 01.04.1905 wurde probeweise ein Feuer vor der Bastion „Kaltes Eck“ auf der Wülzburg entzündet, um die Wirkung einer Turm-Beflammung zu testen. Nachdem man im Juni 1906 auf der Wülzburg ein hölzernes Turm-Provisorium aufgestellt hatte, stellte man fest, dass der Turm vor der historischen Festung optisch nicht ausreichend wahrnehmbar war. Daraufhin wurden neue Standorte diskutiert, u.a. die Ludwigshöhe, der Schroppenwinkel und der Rohrberg.

Als Standort einigte man sich nun auf den Südwesthang des Rohrberges (520 m über NN). Dieser Platz wurde in der Magistratssitzung vom 03.12.1908 nach Antrag von Forstmeister Krebs genehmigt. In der Generalversammlung des Vereins am 14.12.1908 beschloss man endgültig, den Bismarckturm auf dem Rohrberg zu errichten. Der Vereinsname wurde nun um die Worte „auf der Wülzburg“ gekürzt.

Da dieser Platz in Weiboldshausen, also außerhalb des Stadtgebietes von Weißenburg lag, mussten mit den ortsansässigen Bauern Verhandlungen über den Grundstückskauf durchgeführt werden. Zwischen Ende 1908 und 1910 konnte der Verein durch Kauf und Tausch die notwendigen Grundstücke erwerben. Der Magistrat und das Kollegium beschlossen am 19.08.1909 bzw. am 17.09.1909, dass bei den Grundankäufen die Stadtgemeinde Weißenburg als Käuferin und Eigentümerin des Grund und Bodens eingetragen wurde, da die Stadtgemeinde den Turm samt Grundstück nach Fertigstellung übernehmen sollte.

Die Stadt erlaubte dem Bismarckturm-Verein gegen eine Gebühr von 10 Mark, Baumaterial für die Turmfassade (Frankendolomit) aus dem Stadtwald abzubauen. Zudem genehmigte die Stadtgemeinde die projektierte Weganlage zum Turm, die teilweise über Grundstücke der Hospitalstiftung verlief. Im Herbst 1909 war der Baufonds auf 12.000 Mark angewachsen, die Bausumme wurde nun mit insgesamt 14.000 Mark veranschlagt. Erst Anfang 1910 war die Bausumme für den Baubeginn vorhanden.

Zunächst plante man die Einweihung des Turmes auf Herbst 1910. Der Baubeginn verzögerte sich aber, die bauliche Genehmigung des Kgl. bayerischen Innenministeriums lag erst am 02.09.1910 vor.

Zuvor hatte der Verschönerungsverein angeboten, bei der Anlage des Fußweges zum Turm Hilfe zu leisten. Dieser übernahm die Gestaltung der 120 m langen Zuwegung und pflanzte 120 Linden als Allee.

Am 23.10.1910 bat der Vereinsvorsitzende die beiden städtischen Kollegien um einen weiteren Zuschuss, da insgesamt noch 1.000 Mark der Bausumme fehlten. Die Stadt genehmigte daraufhin einen Zuschuss von 200 Mark.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 14.521,76 Mark und lagen damit gut 2.500 Mark über den ursprünglich veranschlagten Kosten.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten starteten im Herbst 1910.

Als Baumaterial wurde weißer Kalkstein verwendet, der mit Dolomit und Werkkalkquadern verblendet wurde.

Als Baumeister war Bezirksbaumeister Hans Etschel tätig, der den Entwurf von Architekt Wilhelm Kreis für Weißenburg leicht abänderte. Eine im Kostenvoranschlag vom Dezember 1910 vorgelagerte Terrasse wurde nicht verwirklicht. Die geplante Inschrift "BISMARCK/1815-1898" (auf der Entwurfzeichnung vorhanden) am Turm wurde ebenfalls nicht realisiert.

Ausführendes Baugeschäft war Karl und August Lang aus Weißenburg.

Weitere beteiligte Handwerker:

Schlossermeister Wilhelm Simader (Türbeschläge)
Schreinermeister Paul König (Türlieferung)
Kupferschmiedemeister Fritz Pau[c]kner (Feuerwanne)

Am 18.01.1911 hisste der Verein auf dem noch nicht fertig gestellten Turm die Reichsflagge zum 40-jährigen Reichsjubiläum.

Die Schlusssteinlegung fand am 16.03.1911 ohne besondere Feierlichkeit statt. Als Schlussstein wurde ein großer Dolomitquader verwendet (unter dem Kapitell gegenüber der Stadtseite). In den Schlussstein war eine verzinkte Blechkapsel mit einem Gedenkplatt aus Pergament und Beigaben zum 25. Regentschaftsjubiläum und dem 90. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold eingemauert. Der Turm war an diesem Tag bis zur Galerie fertig gestellt.

Am 22.04.1911 vergab der Verein die Schlussarbeiten an die Firmen. Am 27.04.1911 legte der Ausschuss das Einweihungsdatum auf den 24.06.1911 fest.

Am 19.06.1911 wurde eine Probebefeuerung des Turmes durchgeführt.


Turmbeschreibung

Als Basis des 12,65 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsmöglichkeit dient ein zweistufiges quadratisches Podest (untere Podeststufe 7,00 m x 7,00 m, obere Podeststufe 6,00 m x 6,00 m), auf welchem sich der quadratische Turmsockel (5,00 m x 5,00 m) erhebt.

Die untere Podeststufe ist 0,80 m (schräg, zum Turm hin 0,90 m), die obere 1,00 m (schräg, zum Turm hin 1,10 m) hoch. Der Turmsockel hat eine Höhe von 1,65 m.

Die Gesamthöhe der Podeststufen und des Turmsockels beträgt 3,65 m.

Über eine Steintreppe mit fünf Stufen (Breite: 1,00 m, Höhe je 0,18 m), die im Frontbereich des Turmes (Südostseite) durch beide Podeststufen führt, gelangt man zum 2,28 m x 1,00 m großen Turmeingang im Sockelbereich des Bauwerks.

Oberhalb des Eingangs ist das 0,25 m hohe Weißenburger Wappen in den Abschlussstein eingeschlagen (Motiv: Stadttor, darüber ein Doppeladler zwischen den Tortürmen und ein Engel als Schildhalter).

Auf der Südwestseite ist mittig ein Reichsadlerrelief mit Bismarckwappen als Herzschild angebracht.

Durch den Eingang gelangt man über eine rechtsdrehende steinerne Wendeltreppe mit 46 Stufen zum 1,70 m x 0,68 m großen Austritt im Nordosten der Aussichtsplattform.

Über jeweils sechs Stufen gelangt man beidseitig auf die 3,90 m x 3,90 m (Außenmaße, Innenmaße 3,50 m x 3,50 m) große Plattform. Die an den Ecken abgerundete Brüstung ist durchgängig 0,83 m hoch (mit aufgesetzter Metallstange 1,15 m) und 0,20 m breit.

Die quadratische Feuerschale (Seitenlänge: 1,90 m) aus Eisen ist wannenförmig gestaltet (Tiefe maximal: 0,40 m). Sie hat ein Mittelloch und vier in der Wanne nach oben herausstehende Rohre. Das Gewicht beträgt 475 kg. Die Feuerschale ist auf vier 1,00 m hohen Metallfüßen befestigt, die mittig auf einem 0,40 m hohen Steinsockel angebracht sind

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden. Der Turmkopf (Architrav und Aufbau) hat eine Gesamthöhe von 3,30 m.

Ein 0,70 m hoher Fensterschlitz befindet sich im Südosten oberhalb des Einganges und ein 0,80 m hoher Fensterschlitz im oberen Bereich der Rückseite.


Turmgeschichte

Am Sa., 24.06.1911 wurde die Einweihung im Rahmen eines großen Festes gefeiert. Der Vereinsvorsitzende, Forstmeister Krebs, begann das Fest mit einer Kranzniederlegung am alten Kriegerdenkmal in der Spitalanlage. Danach startete der Festzug mit Marschmusik zum Rohrberg. Der Bismarckturm war zur Einweihung mit Lorbeergirlanden und Fahnen (vor und auf dem Turm) geschmückt. Forstmeister Krebs legte am Turm einen Lorbeerkranz nieder und hielt die Begrüßungsrede. Anschließend überreichte er den Turmschlüssel an den Bürgermeister August Lober, der das Bauwerk in das Eigentum der Stadt Weißenburg nahm.

Die Festrede hielt Pfarrer Albrecht. Die Feierlichkeiten wurden abends mit der Entzündung des Feuers auf dem Turmkopf fortgesetzt. Unter Lampion- und Fackelbeleuchtung wurde von den Besuchern der Rückweg angetreten. Die Einweihung schloss ab 21:30 Uhr mit einem Festabend im Wildbadsaal ab.

Wegen Überfüllung der Feuerschale mit Brenngut entstand dabei ein Brandschaden in Höhe von 100 Mark. Die Feuerschale wurde nun etwas höher angebracht. Die Befeuerung erfolgte durch Benzinrückstände sowie Pech und Baumwolle.

Der Bismarckturm wurde nach der Einweihung dauerhaft für Besucher geöffnet.

Der Bismarckturmverein beschloss bei der abschließenden Generalversammlung am 20.12.1911 die Auflösung des Vereins. Der Überschuss des Vereinsvermögens in Höhe von 35,84 Mark wurde an den Verein zur Errichtung eines Bismarckturms auf dem Hesselberg bei Wassertrüdingen überwiesen [dieser Turm wurde nicht gebaut].

Jeweils zum 01.04. (Bismarcks Geburtstag) wurde die Feuerschale in den ersten Jahren nach der Einweihung entzündet. Am 01.04.1919 konnte das Feuer wegen der fehlenden Brennmasse nicht entzündet werden.

Im Jahr 1921 wurde die Sperrung des Turmes diskutiert, da die „Umgebung des Turmes und der Turm selbst Tummelplatz der lärmenden Jugend“ geworden war. Das Bauwerk blieb weiterhin regelmäßig geöffnet.

In den Jahren 1937, 1987 und 2000 war der Turm frei zugänglich.

Im Jahr 2002 wurde die Bismarcksäule außen und innen saniert.

Das Bauwerk hat seit mindestens 2004 keine Eingangstür mehr (im Jahr 2000 war eine provisorische Holztür vorhanden). Der Bismarckturm ist gut erhalten (Stand: Mai 2016).

Der Turm ist ganzjährig geöffnet.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 402-403
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von WEIßENBURG (Bayern)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 9, S. 3; Nr. 11/12, S. 10), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 7), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 1, S. 17) 8. Jahrgang 1910 (Nr. 4, S. 63, Nr. 10/11, S. 170), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 9, S. 169)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 174 "Bismarck-Feuersäule zu Weißenburg (Franken)", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Kießling, Gotthard: "Der Bismarckturm auf dem Rohrberg bei Weißenburg" in: villa nostra - Weißenburger Blätter, Ausgabe 3/1997, S. 15 - 22
- Denkmäler in Bayern, Bd. V, Mittelfranken, München 1986, S. 513


Fotografen

- Ralph Männchen, Dresden (Januar 2003)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (September 2004, Mai 2016)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Oktober 2007)
- Lars Lenzner, Hückeswagen (Juni 2011)
- Marek Moson, Breslau (Mai 2016)