Update: 03.12.2015

Der spät berufene Bismarckturm
Der Bismarckturm in Lichtenfels

Bauplanung

Am 23.03.1900 wurde auf der Generalversammlung des örtlichen Verschönerungsvereins der Bau eines Aussichtsturmes auf dem schönsten Punkt der Stadt und Umgebung, dem Mausrotberg, geplant.

Auf der Versammlung wurde ein Komitee mit insgesamt 14 Mitgliedern zur Realisierung dieses Projektes gegründet. Eine spontane Sammlung ergab 165 Mark, die als Grundstock für den Turmbau verwendet wurde. Die Mitglieder des Komitees erklärten sich bereit, die Turmbau-Idee öffentlich zu verbreiten und Spenden für das Projekt zu sammeln.

Fabrikant Hans Silbermann überließ der Stadt Lichtenfels kostenlos einen Bauplatz von 170 m² Fläche auf dem Mausrotberg (Herberg). Der Turm-Entwurf wurde von Bezirkstechniker Joh. Gräbner erstellt, der zudem auch die Pläne und alle Berechnungen durchführte.

Der Verschönerungsverein spendete 1.200 Mark und die Stadt Lichtenfels gab 1.000 Mark für den Turmbau hinzu. Durch Spendensammlungen wurde eine Summe von 800 Mark erzielt.

Der Rest der Bausumme (Gesamtkosten: 8.300 Mark) wurde über verzinsliche Anteilsscheine zusammengebracht.


Bauarbeiten

Entworfen wurde der Turm vom Architekten und Bauinspektor Joh. Gräbner aus Lichtenfels, der gleichzeitig als Bauleiter fungierte. Ausführende Baumeister waren die Gebrüder Diroll, ebenfalls aus Lichtenfels.

Als Baumaterial wurde Sandstein verwendet.

Bereits am 04.07.1900 erfolgte die Grundsteinlegung des Turmes durch den Kassierer des Verschönerungsvereins, Nikolaus Schmidt. Eine Blechkapsel inklusive Urkunde wurde in den Grundstein eingelegt. Der Turm erhielt den Namen Sieges-Aussichtsturm, um an die Kriegsteilnehmer und Kriegsopfer von 1870/1871 zu erinnern.


Turmbeschreibung

Der 20,50 m hohe Aussichtsturm ohne Feuervorrichtung hat einen viereckigen Grundriss mit einer Grundfläche von 5,65 m x 6,00 m.

Auf der Eingangsseite ist das Bauwerk unten rechts und linksseitig mit Eck-Verstrebungen versehen.

Oberhalb des Einganges ist eine Sandsteinplatte mit der Inschrift

"Verschönerungsverein Lichtenfels.
1903
"

darüber – in etwa 5 m Höhe, eine Steinplastik mit dem alten  Lichtenfelser Stadtwappen (Motiv: Fünf Burgtore als Mauerkrone, zwei Lichtkandelaber begrenzen einen Felsen) angebracht.

Auf der Rückseite des Turmes ist die in Sandstein geschlagene Inschrift

"19 Erbaut von 03
Gebr. Diroll
Baumeister"

zu lesen.

Am Turmschaft sind in etwa 7 m Höhe auf allen Seiten breit umrahmte Fensterschlitze eingelassen. Auf der Rückseite ist oberhalb des Fensters ein weiteres Glasfenster eingelassen.

Über zwei Steinstufen gelangt man zum Rundbogenportal, über welches man den Turm betritt. Über vier Steinstufen erreicht man einen kleinen Abstellraum, der nach hinten bis zur Holztreppe reicht.

Rechterhand führt eine linksdrehende Holztreppe mit linksseitigem Holzgeländer nach oben. Nach 20 Stufen gelangt man zum ersten, nach weiteren 15 Stufen zum zweiten Geschoss (in Höhe der Fenster zu allen Seiten). In Laufrichtung ist eine Inschrifttafel, die oben mit einer Mauerkrone versehen ist, angebracht. Auf der Tafel werden die „Gründer des Aussichtsturmes“ (24 Namen) aufgelistet. Die Inschrift schließt unten mit den Worten „Der Verschönerungs-Verein. Lichtenfels“ ab.

Über 15 Stufen erreicht man die 3. Etage des Turmes (mit Glasfenster auf der Turm-Rückseite). Zur 4. Etage gelangt man über weitere 15 Holzstufen. Von hier aus führt eine Holztür auf der Eingangsseite auf den Alkoven (Tiefe: 0,65 m, Breite 1,40 m). Zum Alkoven auf der Nordostseite führen fünf Stufen einer separaten Treppe. Der Alkoven auf der Südseite ist über weitere zwei Stufen der normalen Holztreppe sowie drei weitere Stufen zu erreichen.

Für den Aufstieg zur 5. Etage benötigt man weitere 14 Stufen. Zur oberen Plattform gelangt man von der 5. Etage aus über 16 Stufen. Der Ausgang ist eine betonumfasste, nach außen seitlich aufklappbare Regenschutzabdeckung auf der Nordwestseite.

Im Treppenhaus wurde eine Votivtafel mit den Namen von 58 Kriegsteilnehmern aufgehängt.

Die zinnenbekrönte quadratische Plattform  hat eine Seitenlänge von 4,80 m (Innenmaß). Die Brüstung ist 1,20 m hoch.

Die Gesamtstufenzahl im Innern des Turmes bis zur oberen Plattform beträgt 100.


Turmgeschichte

Am So., 24.04.1904 wurde das Bauwerk als Aussichts- und Siegesturm auf dem Herberg eingeweiht. Im Rahmen dieser Eröffnungsfeier wurde der Turm an die Stadt Lichtenfels übergeben.

Im Jahr 1919 wurde die Votivtafel mit den Namen der Kriegsteilnehmer von 1870/1871 aus dem Turm geholt und ins Rathaus gebracht.

Dreißig Jahre nach dem Bau des Aussichtsturmes auf dem Herberg wurde dieser am 25. April 1933 in Bismarckturm umbenannt. Eine Emaille-Tafel mit der Inschrift "Bismarckturm" wurde am Turm angebracht (vor 1997 entfernt).

Der Turm, der der Lichtenfelser Bevölkerung eher als Herbergturm oder Hohe Warte bekannt ist, ist über einen ausgeschilderten Wanderweg zu erreichen.

Seit 2011 ist der Turm wegen Sanierungsbedarfes gesperrt.


Öffnungszeiten

Das Bauwerk ist nicht für Besucher zugänglich und gesperrt (Stand: März 2015).


Links

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 252
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von LICHTENFELS (Bayern)


Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (November 1998, März 2004)
-
Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (August 2008)
- Ralph Männchen, Dresden (März 2015)