Update: 05.03.2017

Walhalla, Bismarck und Hindenburg
Der Bismarckturm in Lauf

Vorgeschichte

Der bayerische König plante im 19. Jahrhundert auf dem 599 m hohen Moritzberg die Walhalla zu bauen. Diese Pläne scheiterten, wie auch ein später geplantes monumentales Nationaldenkmal auf dem Moritzberg.


Bauplanung

Am 11.06.1899 wurde unter Schirmherrschaft des Nürnberger Oberbürgermeisters Ritter Dr. von Schuhe der Verschönerungsverein Moritzberg (VVM) gegründet. Eine Gruppe interessierter Bürger traf sich dazu in Rockenburg, um einen Turm als Aussichtspunkt zu errichten.

Der Bauplatz auf dem Moritzberg wurde dem Verein von der Familie Fürer aus Haimendorf kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Jahr 1903 führte das Haimendorfer Bauerntheater einen Schwank mit dem Titel "Immer wieder etwas Neues" auf, in dem es inhaltlich um den Turmbau ging.

Am 08.11.1903 wurde bei einer Ausschusssitzung des VVM beschlossen, den Turm als Bismarckturm oder Bismarcksäule zu errichten. Am selben Tag fand ein von den Nürnberger Vereinsmitgliedern initiiertes Konzert im Heilmannschen Saal statt, bei welchem 240 Mark eingenommen wurden.

Zu diesem Zweck trat der VVM an den Verein zur Errichtung eines Bismarckturmes bei Nürnberg heran, um diesen für die Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Moritzberg zu begeistern. Doch der Nürnberger Verein beabsichtigte selbst eine Bismarcksäule nach dem Entwurf Götterdämmerung (auf dem Rechenberg in Nürnberg) zu errichten und hielt bis mindestens Frühjahr 1906 an diesem Plan fest (letztendlich wurde 1915 ein Bismarck-Reiterstandbild am Prinzregentufer gebaut).

Der gerichtliche Eintrag des Vereins folgte im Jahr 1904, bereits im Jahr 1906 hatte der Verschönerungsverein über 1.000 Mitglieder.

Bereits im Jahr 1904 wurde ein Wettbewerb zur Erlangung eines geeigneten Turm-Entwurfes ausgerufen. Der VVM wählte den Entwurf des Architekten Theodor Eyrich aus Nürnberg (1838-1907) zur Ausführung aus, der jedoch schon vor Baubeginn verstarb. Die Planungsarbeiten wurden später vom Architekten Leonhard Bürger übernommen. Die Mitgliederversammlung des Verschönerungsvereins beschloss am 18.07.1909, am Turm-Entwurf des Theodor Eyrich festzuhalten. Die vorhandenen Geldmittel sollten für die massive "Brockenmauerung" genutzt werden, der Turmabschluss sollte zunächst mit einem provisorischen Holzaufbau versehen werden.

Aufgrund eines großzügigen Darlehens (wurde später in eine Schenkung umgewandelt) von Frau Kommerzienrat Conradty aus Röthenbach konnte der Turm errichtet werden. Bis zum Jahr 1909 waren knapp 20.000 Mark gesammelt worden.

Auf einer Vereins-Sondersitzung am 11.05.1910 wurde beschlossen, baldmöglichst mit dem Turmbau zu beginnen. Der Verein hoffte nach Baubeginn auf weitere Spendenbereitschaft der Bürger, die jedoch weitgehend ausblieb.


Bauarbeiten

Entworfen wurde dieser Aussichtsturm ohne Feuerschale von Theodor Eyrich, dessen Entwurf nach seinem Tode (1907) abgeändert wurde.

Die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister Wörnlein aus Leinburg, die Bauaufsicht hatte Architekt David Röhm. Dieser hatte zuvor ehrenamtlich einen eigenen Turm-Entwurf erstellt, der jedoch nicht verwendet wurde.

Der Bau wurde am 20.07.1910 begonnen. Bei der Einweihung des Turmes am 14.11.1911 war das Bauwerk nicht fertiggestellt, die Gesamthöhe betrug erst 12 m und es waren ca. 39.000 Mark Kosten angefallen. Nach weiteren Spendensammmlungen konnte der Turmbau Mitte 1912 fortgeführt werden. Der Querschnitt des Turmes wurde verkleinert, um weitere Kosten zu sparen.

Im Jahr 1913 mussten die Bauarbeiten wegen Geldmangels unterbrochen werden, zwei Stockwerke waren fertiggestellt. Den Turmabschluss bildete eine Holzhütte (Notdach), die als Aussichtsraum verwendet wurde. Die Gesamthütte mit Aufbau betrug 21 m. Ursprünglich war eine Bauhöhe von 26,50 m (massiver Turm) geplant.

Eine (nochmalige) Einweihung des nicht fertiggestellten Turmes erfolgte im Juli 1913 (lt. Vereins-Broschüre 2013, s.u.).

Entgegen der ursprünglichen Planung wurde der Turmkopf wegen Geldmangels nicht in Fachwerk und mit spitzem Dach erbaut, sondern mit einem Holzdach versehen.

Die geplante Höhe wurde nie erreicht, ebenfalls wurde während des Baus der Querschnitt verkleinert. Die vorhandenen Geldmittel von 40.000 Mark waren erschöpft.


Turmbeschreibung

Die Grundfläche des quadratischen Turmes (ohne Apsis und seitlichen Turmaufgang) beträgt 9,30 m x 9,30 m.

Über eine Stufe (0,10 m) erreicht man auf der Ostseite den hervorstehenden Eingangsbereich, der aus einem 4,26 m hohen und 3,00 m breiten Vorbau, welcher mit einem schmalen Pultdach versehen ist, besteht.

Durch ein Rundbogenportal (1,48 m x 2,75 m) gelangt man in die Ehrenhalle des Turmes. Über dem Portal ist in gotischen Buchstaben

"Hindenburg Turm"

angebracht.

Die Ehrenhalle besitzt sowohl im Süden als auch im Norden (Turmaufstieg) ein Fenster.

Der überdachte Turmaufgang ist rechtsseitig an den Turm (Ostseite) angeschlossen. Über eine gerade Steintreppe mit sechs Stufen (Breite zwischen 1,15 m und 1,48 m) gelangt man auf einen Absatz, über weitere zehn Stufen (Breite 1,42 m) erreicht man einen weiteren Absatz. Nach einer 90°-Drehung nach links führen vier Steinstufen (1,30 m breit) zum Turmeingang im angelehnten Rundturm (Apsis).

Eine steinerne Innentreppe (linksdrehend) mit 18 Stufen endet oberhalb der Ehrenhalle des Turmes. Rechtsseitig gelangt man in einen separaten Raum (ehemalige "Moritz-Klause"), geradeaus ist der Aufstieg über eine Holztreppe mit 99 Stufen (5/10/10/10/10/10/15/2/12/3/12) zur 4,30 m x 6,05 m großen Plattform (Innenmaße) möglich.

Vor dem Ausbau in den Jahren 1962-1964 endete der Turm in 21 m Höhe mit einem Holzaufbau und stumpfen Dachansatz (1913).

Auf der Nordseite gibt es einen weiteren Zugang (Nebentür, 0,90 m x 2,02 m) zum Turm.


Turmgeschichte

Am 28. Juli 1918 wurde der Turm in Hindenburgturm umbenannt, da im fränkischen Lauf, im Gegensatz zu anderen Orten, der ehemalige Reichskanzler nicht mehr populär war und der Verschönerungsverein den neuen Reichspräsidenten Hindenburg ehren wollte.

Im Jahr 1920 sollte die untere Halle in eine Hindenburg-Ehrenhalle ausgebaut werden. Es wurde geplant, ein mittelfränkisches Volksdenkmal zu errichten.

Im Juli 1934 überließ man die ausgebauten Räume der Hitler-Jugend, die diese als Jugendherberge nutzte. Die Halle wurde durch den Einbau von Zwischendecken in mehrere Räume unterteilt. Der VVM wurde im Jahr 1934 zwangsweise aufgelöst.

Der Verschönerungsverein Moritzberg e.V. wurde im Jahr 1945 neu gegründet (34 Mitglieder). Anfang der 1950er Jahre wurde ein Rundfunksender auf dem Turm installiert.

Christian Woesch regte 1958 eine Turmerhöhung an, nachdem der Holzaufbau schadhaft war und saniert werden musste. Mit Hilfe von finanziellen Zuwendungen der bayerischen Regierung, den umliegenden Landratsämtern und Gemeinden sowie Spenden von Heimat- und Wanderfreunden von insgesamt 52.000 DM konnte der Turm in den Jahren 1962 bis 1964 auf 30 m erhöht werden, der Turmkopf wurde als Fachwerk-Konstruktion (entworfen von Architekt Stolz, in der Ausführungsweise abweichend von den ursprünglichen Plänen) angelegt.

Die Einweihungsfeier des aufgestockten Turmes wurde am 09.08.1964 (nach anderer Quelle am 19.08.1964) durchgeführt. Von nun an diente er auch zur Funkversorgung im Großraum Nürnberg (1982 wurde ein Antennenmast für den Polizeifunk installiert).

Nach einer Gebietsreform im Jahr 1972 gehört der Turm samt Grundstück zur Gemeinde Röthenbach/Pegnitz.

Wegen Verwitterungserscheinungen am Fachwerk wurde der Aussichtsturm in den 1970er Jahren mit Eternit verkleidet. Im Inneren mussten Verstärkungen angebracht werden, um ein Auseinanderfallen des Fachwerks zu verhindern.

Eine aufwändige Innensanierung erfolgte in den Jahren 1984 und 1985. Im Jahre 1996 griff man den Gedanken erneut auf, den Turm weiter aufzustocken, da die Aussicht von den umliegenden Bäumen teilweise versperrt war, doch die Pläne scheiterten. Zwei Jahre später musste das Bauwerk wegen Einsturzgefahr geschlossen werden.

Erst am 28. April 2005 wurde der Turm nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten wieder für Besucher eröffnet.

Eine Jubiläumsfeier (100 Jahre Bismarckturm) wurde im Jahr 2011 nicht veranstaltet, diese fand erst am 04.08.2013 statt (zum 100-jährigen Jubiläum der (nochmaligen) Turmeinweihung vor dem Ersten Weltkrieg).


Öffnungszeiten

An Sonn- und Feiertagen bei gutem Wetter von Mai bis Oktober. Von Mittwoch bis Samstag kann der Turmschlüssel an der Moritzberg-Gaststätte zu den Öffnungszeiten ausgeliehen werden.

Der Turm-Schlüssel kann bei Gruppenanmeldungen bei den Vorstandsmitgliedern des Verschönerungsvereins Moritzberg gegen Pfand ausgeliehen werden [E-Mail: info (at) verschoenerungsverein-moritzberg.de].


Links

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Wegbeschreibung (Übersichtkarte vom Verschönerungsverein Moritzberg)

Verschönerungsverein Moritzberg


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 243-244
- Seele, Sieglinde, Mannheim: Archiv Seele: "BISMARCK-TURM auf dem MORITZBERG (Bayern)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 3; Nr. 9, S. 2)
- 100 Jahre Verschönerungsverein Moritzberg und Umgebung e.V. (Broschüre Verschönerungsverein Moritzberg e.V. 1999)
- 100 Jahre Aussicht auf dem Moritzberg, Turmeinweihung 1913 - 2013 (Broschüre Verschönerungsverein Moritzberg e.V. 2013)


Fotos

- Ralph Männchen, Dresden (März 2015)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2016)
- Marek Moson, Breslau (Mai 2016)


Anmerkung: Auf der Abbildung (4. v. links unten) ist der ursprüngliche geplante Entwurf abgebildet, der nie realisiert worden ist. Auf der AK darunter (3. v. links unten) ist die projektierte, aber nie realisierte Bismarcksäule in Nürnberg zu sehen.