Update: 22.06.2015

Von einer Feuersäule zum Aussichtsturm
Die Bismarcksäule in Fürth

Bauplanung

Der Nationalliberale Bürgerverein in Fürth, insbesondere die Mitglieder Bezirksamtmann Regierungsrat Freiherr von Eyb, Hofrat Dr. med. Wilhelm Mayer, Dr. med. M. Prager, Architekt Adam Egerer und Kommerzienrat Martin Ullmann, regte den Bau dieser Feuersäule an. Unter Vorsitz von Freiherr von Eyb wurde ein "Comitee zur Errichtung einer Bismarcksäule" gebildet.

Ab 1904 bereitete das Komitee die Ausführung dieses Planes vor.

Auch in Fürth wählte man (wie z.B. auch in Augsburg und Coburg) den von der deutschen Studentenschaft preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis. Der Bau der Bismarcksäule wurde aus Spenden finanziert, insbesondere jüdische Bürger aus Fürth spendeten für dieses Denkmal.

Als Standort wählte das Komitee das Hard-Plateau nordwestlich von Fürth aus und kaufte das „zwei Tagewerk“ große Grundstück im März 1907 für 1.100 Mark an. Zuvor hatte an dieser Stelle das Pulverhäuschen der Bürgerwehr gestanden. Die baupolizeiliche Genehmigung durch den Magistrat erfolgte am 29.05.1907. Kurz darauf wurde mit dem Bau der Bismarcksäule begonnen.

Die Baukosten betrugen insgesamt 28.000 Mark.


Bauarbeiten

Architekt Adam Egerer oblag die Bauleitung, die Bauausführung erfolgte durch Baumeister Johann Gran aus Fürth.

Die Feuersäule wurde aus Muschelkalkstein mit Ziegelsteinen als Hintermauerung gebaut. Die oberen Sandsteinblöcke wurden aus dem städtischen Steinbruch in Fürth am Katzenstein gebrochen.


Turmbeschreibung

Als Basis der 17,50 m hohen Feuersäule mit Aussichtsfunktion (seit 1926) diente ein zweistufiges quadratisches Podest.

Oberhalb der Podeststufen erhob sich mittig der quadratische Turmsockel mit einer Höhe von 2,00 m.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Der Säulenschaft auf der Vorderseite wurde mit einem Reichsadlerrelief (Motiv: Adler hält Schlange der Zwietracht in den Fängen) versehen. Auf der Plattform war eine Feuerschale aus Blech angebrach.

Der Turm diente ursprünglich nur als Feuersäule. Über eine einfache Stiege im Innern des Bauwerkes war der Turmkopf erreichbar (1926 Umbau zu einem Aussichtsturm).


Turmgeschichte

An der Einweihung der Bismarcksäule am 01.04.1908 nahmen 2.000 Personen teil. Die Weiherede hielt Freiherr von Eyb. In den Abendstunden wurde erstmals das Feuer auf der Säule entzündet. Jährlich in der Nacht zum 1. April wurde die Blechschale mit einer Mischung aus Holz, Stroh, Pech und Schießbaumwolle zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers befeuert.

Eine weitere Befeuerung erfolgte am 17.10.1908 anlässlich der Vorfeier zur Einbringung der Bismarck-Büste in die Walhalla.

Im Jahr 1910 wurden auf Anregung und Kosten des Verschönerungsvereins 43 Eichen um den Turm gepflanzt.

Am 15.09.1912 fand nachmittags eine Gedenkfeier aus Anlass der Tagung des Hauptverbandes des Evangelischen Bundes statt.

Nach 1916 unterblieb aus Kostengründen die jährliche Befeuerung der Säule am 31.03.

Anfang des Jahres 1924 übergab der Bürgerverein dem Kriegsveteranenverein die Betreuung des Bauwerkes. Der Turm war zu dieser Zeit sanierungsbedürftig, durch Witterungseinflüsse waren tiefe Löcher in den Wänden entstanden und die Balustrade auf dem Turmkopf war verfallen.

In den Abendstunden des 31.03.1924 wurde auf Veranlassung des Vorsitzenden des Kriegsveteranenvereins, Stadtkirchner Hartmann, nach achtjähriger Pause erstmals wieder eine Bismarckfeier am Turm durchgeführt. An dieser Feier nahmen über 20.000 Personen teil. Ab 1924 wurde der Turm wieder jährlich zu Bismarcks Geburtstag befeuert (bis 1935).

Im Sommer 1926 wurde der Turm umfangreich saniert, dabei wurde die Feuersäule in einen Aussichtsturm umgestaltet. Durch den Einbau einer Wendeltreppe konnte man nun die neue Aussichtsplattform erreichen.

Das Umfeld des Bauwerkes wurde im Frühjahr 1927 neu gestaltet, so dass der Turm im Sommer viele Ausflügler anlockte. Der Kriegsveteranenverein plante eine Fortsetzung der Eichenbepflanzung rund um den Turm und bat den Verschönerungsverein um Unterstützung. Dieser stellte dem Kriegsveteranenverein 200 Mark unter der Bedingung zur Verfügung, dass die Säule und der umliegende Platz der Allgemeinheit zugänglich blieben. Das Innere des Turmes wurde zu einem kleinen Museum umgestaltet. Ende April 1927 waren die Bepflanzungsarbeiten und der Umbau zum Museum abgeschlossen.

Ab So., 01.05.1927 war der Bismarckturm jeden Sonntag bei jedem Wetter für Besucher geöffnet.  Im Rahmen der Dauerausstellung „Ehrenzeichen und Bilder der ruhmreichen Geschichte Deutschlands“ konnten im Vestibül Büsten und Bilder von Bismarck und seiner Zeit bewundert werden.

Ein Schankbetrieb wurde ab Mai 1927 vom Polizeisenat genehmigt (Schankwirt M. Keberer des Kriegsveteranenvereins), ein Unterstand (vierzig mal acht Meter) und eine Hainbuchenhecke ab 1928 sowie ein Musikpavillon in Form einer offenen Muschel ab 1933 verschafften dem Turm an manchen Tagen weit über eintausend Besucher. Das Bauwerk wurde ein beliebtes Ausflugsziel der Fürther Stadtbewohner. In den Sommermonaten fanden am Turm viele Gartenkonzerte und Feiern statt.

Im August 1927 wurde ein Feldlager auf der Hard abgehalten. Das Bauwerk wurde zu diesem Zweck mit allen deutschen Reichs- und den bayerischen Landesfarben geschmückt.

Ab 1933 wurde das Bauwerk Ziel größerer nationaler Aufmärsche der Nationalsozialisten. Die alljährlichen Bismarck-Feiern wurden ab sofort von den örtlichen Nationalsozialisten durchgeführt.

Trotz der wenige Jahre zuvor gemachten Umbaumaßnahmen wurde die Bismarcksäule am 23.05.1938 (nach anderer Quelle am 30.05.1938) auf Veranlassung der Nationalsozialisten wegen des Ausbaus des Werkflugplatzes abgerissen, da das Rüstungsinteresse Vorrang vor dem Freizeitverhalten der Fürther Bürger hatte.

Einige der Bismarck-Eichen wurden umgepflanzt (Ende der Wilhelm-Raabe-Straße in Fürth).

In den 1960er Jahren wurde bei der Bebauung der Hardhöhe die Soldnerschule (Hauptschule) an gleicher Stelle errichtet. Heute steht die Turnhalle der Soldnerschule am ehemaligen Bauplatz der Bismarcksäule.


Links (ehemaliger Standort, heute Turnhalle Soldnerschule Fürth)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 157
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von Fürth (Bayern)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 148 "Bismarck-Feuersäule zu Fürth i.B. ", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Nr. 5, S. 70/71), 6. Jahrgang 1908 (Nr. 5, S. 80)
- Roschmann, Winfried / Sponsel, Udo / Jesussek, Bernd: „Die Fürther Hardhöhe“, Städtebilder Fotoarchiv & Verlag, 1999, S. 18-21