Update: 06.04.2015
Die Säule auf dem Himmelsacker
Der Bismarckturm in Coburg

Bauplanung

Fünf Bismarckverehrer, die sich über einen Artikel gegen den Bau von Bismarck-Denkmälern im „Democraten-Blatt“ vom 08.01.1899 ärgerten, beschlossen den Bau einer Bismarcksäule in Coburg.

Es wurde ein Baukomitee unter Vorsitz von Prof. Dr. Gebhardt aus Coburg gegründet und ein Spendenaufruf veröffentlicht.

Der Bauplatz des Turmes auf dem Gipfel des Judenberges (auch „Himmelsacker“ genannt“, 386 m ü. NN) wurde von Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha (gestorben am 30.07.1900) zur Verfügung gestellt. Der Herzog genehmigte Anfang 1900 den von der Studentenschaft preisgekrönten Entwurf „Götterdämmerung“ von Wilhelm Kreis.

Der Kostenanschlag für die Bismarcksäule lag bei 16.000 Mark, Anfang 1900 war der Baufonds bereits auf 6.000 Mark angewachsen.

Trotz kritischer Stimmen der Opposition genehmigten die Stadtverordneten von Coburg am 24.06.1900 insgesamt 1.000 Mark für das geplante Bauwerk.

Bereits am 02.09.1900 wurde der Grundstein für die Bismarcksäule (in Coburg fast durchgängig nur Bismarckturm genannt) gelegt. Die Ansprache bei der Grundsteinlegung hielt Prof. Dr. Gebhardt.

Im Frühjahr 1901 wurden bei einem zum Besten des Bismarckturmes durchgeführten Saalfestes 3.500 Mark für den Turmbau eingenommen.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 16.000 Mark, die Gestaltung der gärtnerischen Anlagen kostete zusätzlich 1.400 Mark.


Bauarbeiten

Als Material für diesen Turm wurde grauweißer Sandstein verwendet, der aus einem Steinbruch aus dem benachbarten Ort Weißenbrunn beschafft wurde. Für den Reichsadler wurde gelber Jurasandstein aus dem Banzer Forst verwendet.

Die Bauausführung erfolgte durch Baurat Carl Kleemann aus Coburg.


Turmbeschreibung

Als Basis des 16 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsvorrichtung dient ein zweigeschossiges quadratisches Podest von jeweils 0,80 m Höhe. Die untere Podeststufe ist 11,41 m x 11,41 m, die obere Stufe 9,07 m x 9,07 m breit. Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 6,43 m x 6,43 m.

Eine Treppe mit 12 Stufen (Stufenbreite unten: 1,31 m, Stufe 10+11: 1,16 m, Stufe 12: 0,90 m) führt auf der Westseite durch Podeststufen und Sockel zum 2,80 m x 0,90 m großen Eingangsbereich des Turmes mit einer 2,10 m x 0,90 m großen metallenen Eingangstür.

Oberhalb des Einganges ist mittig in dem 1,60 m breiten Feld zwischen den ¾-Säulen die Jahreszahl "1901" angebracht.

Die Ostseite des Turmes (Stadtseite) wurde mit einem Reichsadlerrelief (in einem Rechteck eingelassen) versehen, welches von Bildhauer Max Beyersdorf unter Beirat des Bildhauers Professor August Sommer aus gelbem Jurasandstein gefertigt wurde. An der Nord- und Südseite ist jeweils ein schmaler Fenster-Schlitz eingelassen.

Der Turmschaft besteht aus insgesamt 14 Reihen von ca. 60 cm großen Sandsteinquadern. Die vier Kanten des Schaftes bestehen aus ¾-Säulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Über eine Holztreppe im Innern gelangte man ursprünglich zur Aussichtsplattform und zum Feuerkorb aus Draht.

In diesem Drahtkorb wurden 75 kg Kolophonium, 37,50 kg Petroleum und Baumwolldochte entzündet. Dies führte zu einer Flammenhöhe von 4-5 m bei einer Brenndauer von zwei Stunden.

Diese mittelgroße Ausführung der Bismarcksäule von Wilhelm Kreis hat im Gegensatz zu den meisten anderen Bismarcksäulen keinen Halsring. Sie besitzt zwischen Kehle und Wulst einen stärkeren Architrav. Die Wulst ist etwas gedrückter und niedriger.


Turmgeschichte

Am 30.06.1901 ab 16:30 Uhr fand die feierliche Turm-Einweihung im Rahmen eines Volksfestes statt. Es nahmen u.a. der Regierungsverweser, Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langenburg, Prinzessin Beatrice, die Spitzen der Staats- und städtischen Behörden, die Vereine sowie zahlreiche Schüler und Coburger Bürger teil.

Der Vorsitzende des Baukomitees, Prof. Dr. Gebhardt, übergab das Bauwerk nach der Festrede dem Regenten. Dieser nahm das Bauwerk in seine Obhut und übergab den Turmschlüssel an Staatsrat Messmer als Chef der Herzoglichen Domänenverwaltung.

Am Einweihungstag wurde der Feuerkorb auf dem Turmkopf zum ersten Mal entzündet.

Nach der Einweihung wurde ein Bismarckturm-Verein e.V. gegründet, um das Bauwerk unterhalten zu können. Mitglieder zahlten einen jährlichen Beitrag von 3 Mark und konnten als Gegenleistung für sich und die Angehörigen kostenlos den Turmschlüssel ausleihen.

Im Jahr 1904 beabsichtigte der Bismarckturm-Verein, am Turm eine Schutzhütte für insgesamt 4.000 Mark zu erbauen. Hierzu wurden Anteilsscheine im Wert von je 10 Mark ausgegeben, in der ersten beratenden Versammlung wurden bereits 500 Mark gezeichnet.

Am 17.08.1909 war das Innere des Bismarckturmes in dichten Rauch gehüllt, eine unter der Holztreppe stehende Öl-Kanne war ausgebrannt. Das in unmittelbarer Nähe gelagerte Fass mit Kolophonium (für die Befeuerung des Feuerkorbes) hatte sich nicht entzündet. Die Holztreppe blieb bei dieser mutmaßlichen Brandstiftung ebenfalls unbeschädigt.

Seit dem 01.07.1920 gehört Coburg zum Freistaat Bayern.

Von 1964 bis 2008 war auf dem Turmkopf eine Fernseh-Umsetzeranlage installiert. Der Feuerkorb wurde wahrscheinlich vor 1964 abgenommen.

Im Jahr 1996 wurden im Rahmen der Sanierung neben kleineren Ausbesserungsarbeiten die Treppe und der Turmkopf erneuert.

Das Bauwerk war im Jahr 2008 mit Graffitis verunziert, die in den Folgejahren entfernt wurden.

Der Bismarckturm in Coburg ist für den Besucherverkehr geschlossen (Stand: März 2015).


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 89
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von COBURG (Bayern)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 44 "Bismarck-Feuersäule zu Coburg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 3), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 9/10, S. 167)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) auf dem Himmelsacker bei Coburg"
- Bielefeld, Jörg (Turmmaße Mai 2013, Angaben ohne Gewähr)


Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Oktober 1998, Mai 2013)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (August 2008)
- Robert Waibel, Salach (März 2010)
- Marek Moson, Breslau (Mai 2013)
- Ralph Männchen, Dresden (März 2015)