Update: 06.09.2015

Aussichtswarte in Augsburg
Der Bismarckturm in Augsburg

Diese aus Tuffstein gebaute, 20 m hohe Bismarcksäule wurde am 27. Februar 1901 durch Angehörige verschiedener studentischer Verbindungen angeregt. Es wurde ein "Komitee für die Errichtung einer Bismarcksäule bei Augsburg" unter Vorsitz von Bürgermeister Franz Gentner aus Augsburg gebildet.


Planung und Finanzierung

Als Standort der Feuersäule wählte man eine Anhöhe in Steppach (Steppacher Berg, 529 m über NN) bei Augsburg.

Ausgewählt wurde der von der deutschen Studentenschaft preisgekrönte Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis. Am 04.08.1901 wurde die Grundsteinlegung im Rahmen einer Feier durchgeführt.

Am 28.06.1902 wurde im Stadtgarten ein Abendkonzert zum Besten der Bismarcksäule veranstaltet. Bis Ende 1902 war der Baufonds auf 29.000 Mark angewachsen. Am 01.10.1903 stiftete Kommerzienrat Heinrich Buz einen größeren Geldbetrag für die Errichtung der Säule.


Bauarbeiten und Einweihung

Ende März 1904 begannen die Bauarbeiten.

Als Bauleiter waren die Ingenieure Jacke und Wanner tätig. Der Bau wurde durch die Baufirmen von Krauß & Dürr aus Augsburg ausgeführt. Die Steinmetzarbeiten führte Steinmetzmeister Schülein aus Augsburg durch.

Als Baumaterial verwendete man Württembergischen Tuffstein aus dem Bereich zwischen Urach und Zwiefaltendorf.

Im Frühsommer 1905 war der Bau des Turmes vollendet.


Turmbeschreibung

Als Basis des Turmes dient ein quadratisches Podest. Auf dem quadratischen Grundriss (11,50 m x 11,50 m) des Aussichtsturmes mit Feuerschale erheben sich auf dem 2,20 m hohen Sockel vier große Dreiviertelsäulen, auf denen der auskragende Oberbau mit seinen abgerundeten Ecken ruht.

Der Zugang zum Turm liegt auf der Westseite. Über zwei Treppen mit insgesamt neun Stufen gelangt man zum Eingangsportal. Über eine Steintreppe mit 69 Stufen im Innern erreicht man die Betondecke. Im Abschluss gelangt man über eine eiserne Wendeltreppe mit 22 Stufen zur Aussichtsplattform (4,50 m x 4,50 m).

An jeder Seite hat der Turm auf jeweils unterschiedlicher Höhe einen kleinen Lichtschlitz. Über dem Wulst befinden sich auf jeder Seite vier kleine Lichtöffnungen.

Der Augsburger Bismarckturm trägt an der Ostseite ein Reichsadlerrelief mit Bismarckwappen. Auf der Säule wurde eine Feuerschale angebracht. Zusätzlich wurde vor dem Turm ein Feuerbecken aufgestellt.

Die Kosten für die schmiedeeiserne Feuerschale (Durchmesser 2,50 m) betrugen 500 Mark.


Einweihung und Befeuerung

Am 03.09.1905 wurde die Einweihung durchgeführt. An diesem Tag behinderte dichter Regen die Fernwirkung der Befeuerung. Die Feuerschale wurde mit 4 Fass Brennstoff (Rückstände von Benzin und Putzwolle) befeuert. Damit wurde eine Flammenhöhe von 3-5 m bei einer Brenndauer von 2 Stunden erreicht.

Der Turm wurde vom Komitee an die Stadt Augsburg übergeben.


Turmgeschichte

Am 10.09.1905 wurde der Turm von 500 Personen besucht. Das Eintrittsgeld betrug für Erwachsene 10 Pfg, für Kinder 5 Pfg. Ein Turmwächter (Anton Wagner) wurde von der Stadt eingestellt; dieser erhielt einen Monatslohn von 10 Mark, zusätzlich durfte er 20% der Eintrittsgelder behalten.

Bis 1910 wurde jeweils an Bismarcks Geburtstag (01. April) ein Kranz am Turm niedergelegt, ab 1911 wurde der Bismarckturm an diesem Tag befeuert.

Nach dem Tod von Anton Wagner übernahm Johann Bucher seine Stelle. Nach dessen Tod im Jahre 1919 wurde der Turm von seiner Witwe Elisabeth Bucher geöffnet. Sie erhielt dafür 200 Mark im Jahr, in den Sommermonaten zusätzlich 20 Mark. Der Eintrittspreis betrug zu dieser Zeit 1 Mark für Erwachsene, 50 Pfg. für Kinder. Zur Inflationszeit stieg der Eintrittspreis sukzessiv an und betrug im Juli 1923 bereits 1.000 Mark für Erwachsene. Im Juli 1924 kostete die Besteigung wiederum nur 10 Pfg.

In der nationalsozialistischen Zeit wurden am Turm entsprechende Feiern abgehalten.

Vor 1939 wurde das Bauwerk gesperrt, um Vandalismusschäden zu vermeiden. Im Juni 1942 nutzte man den Turm als Luftraumbeobachtungs- und Flakturm.

Zum Ende des 2. Weltkrieges wurden provisorische Zwischendecken eingezogen, um das Bauwerk als Flakstellung zu benutzen. Auf dem Turm wurden Scheinwerfer installiert.

Die Feuerschale wurde wahrscheinlich zwischen 1939 und 1945 entfernt.

Das Bauwerk überstand den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet.
Ab 1947 konnte der Turm unter Aufsicht von Martin Edin aus Steppach wieder bestiegen werden. Der Turm wurde nun für unterschiedliche Feiern (z. B. 80. Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Steppach, Sonnenwendfeiern von Pfadfindern) genutzt.

Die Turmkrone erhielt nach 1947 ein Vermessungssignal.

Im Jahr 1957 ließ die Stadt den Turm erneut schließen. Kurz darauf wurde eine neue Stahltür mit Sicherheitsschloss eingebaut. Vor 1962 wurde der Eingang zugemauert.

Zwischen 1962 und 1970 überlegte der „Grüne Kreis“, den Turm, der unter eindringender Feuchtigkeit gelitten hatte, zu sanieren und wieder zugänglich zu machen.

Im Jahr 1976 nahmen sich der EVA (Erholungsgebieteverein Augsburg e.V.), die Stadt Augsburg und die damals noch selbstständige Gemeinde Steppach (diese wurde 1978 nach Neusäß eingemeindet) der Sanierungsfrage an. 1979 wurde ein Gestattungsvertrag zwischen der Stadt Augsburg, in dessen Besitz der Bismarckturm und das umgebende Gelände ist, und dem EVA entworfen. Nach Klärung der Finanzierungsfrage wurde der Vertrag im Jahr 1981 geschlossen.

Am 25.11.1981 begannen die umfangreichen Sanierungsarbeiten, um den Turm wieder begehbar zu machen. Der terrassenartige Sockel wurde freigelegt, die Außenstufen sowie das Treppengeländer innen erneuert. Unterhalb der Plattform wurden zwei neue Decken eingezogen. Die Sanierung, die vom bauleitenden Ingenieur Gerd Arnold durchgeführt wurden, hatte ein Gesamtvolumen von 280.000 DM. Anfang 1983 konnten die Arbeiten abgeschlossen werden.

Am 26.03.1983 um 11:00 Uhr wurde der Bismarckturm als Aussichtsturm im Rahmen einer kleinen Feier wiedereröffnet. Vom 01. April bis zum 30.09. wurde der Turm von morgens 09:00 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit kostenlos zugänglich gemacht.

Im Jahr 1987 wurde am Turm eine Bronzetafel mit Turmdaten angebracht, allerdings mit einem falschen Datum der Grundsteinlegung ("4. Juli 1901").

Auf der Balustrade auf der Ostseite, die in Richtung Augsburg zeigt, wurde im Jahr 2005 ein Panoramaschild angebracht.

Eigentümerin des Bauwerkes ist die Stadt Augsburg, der EVA ist nach dem o.a. Gestattungsvertrag u.a. für die Unterhaltung und Sanierung des Bismarckturmes verantwortlich.


Allgemeines

Der Augsburger Bismarckturm ist einer der wenigen Aussichtspunkte im Augsburger Raum und bietet eine hervorragende Aussicht auf die Stadt.

Das Turmjubiläum (100 Jahre Bismarckturm Augsburg) wurde am 10.09.2005 in kleinem Rahmen gefeiert, nachdem ein groß geplantes Bismarckturm-Fest vom 01.09. - 07.09.2005 aus organisatorischen Gründen kurzfristig abgesagt werden musste.


Öffnungszeiten

Die Säule ist vom 01. April bis zum 31. Oktober täglich von 09 bis 19 Uhr geöffnet (Stand: 2015). Am ersten Juliwochende findet jährlich ein Bismarckturmfest statt.


Links

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EVA (Infos zum Bismarckturm)


Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): Bismarck-Säule von Augsburg (Bayern)
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 41
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 119 "Bismarck-Feuersäule bei Augsburg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn).
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 3 + Nr. 6, S. 2 + Nr. 9, S. 2), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 8, S. 9 + Nr. 11, S. 10), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: "Die Bismarck-Feuersäule")
- Baer, Wolfram: "Der Bismarckturm bei Steppach" in Steppach bei Augsburg, Beiträge zur Ortsgeschichte, hrsg. von der Gemeinde Steppach, 1978, S. 83-84
- Frank, Rainer: "Der Bismarckturm bei Steppach" aus Augsburger Blätter, Jahrgang 9 (1983), Heft 3
- E-Mail von Ulrike Schmid (Geschäftsführerin EVA) vom 24.02.2010


Fotografen

- Boris Ott, Augsburg (September 2002)
- Wolfram Regner, Ingolstadt (1999)


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