Update: 18.08.2016

"Götterdämmerung" in Variation
Der Bismarckturm in Ansbach

Der Ansbacher Bismarckturm wurde wie 46 weitere Bismarcktürme nach dem preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis gebaut. Der Entwurf wurde jedoch für Ansbach leicht abgeändert.


Bauplanung

Die Anregung zum Bau eines Bismarckdenkmals in Ansbach erfolgte kurz nach dem Tode von Otto von Bismarck durch einige Mitglieder des Nationalliberalen Vereins. Im Jahr 1899  wurde ein erstes Komitee unter Vorsitz des Kgl. Hofapothekers Dr. Arnold gebildet, um Spenden für den Bau zu sammeln. Insgesamt kamen 1.700 Mark für den Baufonds zusammen.

Der in Ansbach geborene und in Genua lebende Kaufmann Friedrich Fischer, der im März 1900 verstarb, vermachte der Stadt Ansbach testamentarisch 80.000 Mark sowie zusätzlich 10.000 Mark für den Bau des Bismarckdenkmals.

Kurz darauf trat das erste Komitee zurück, sodass sich der Stadtmagistrat bereit erklärte, den Bauplan weiter zu verfolgen.

Am 01.10.1901 bildete sich eine Bismarckdenkmal-Kommission unter Vorsitz des Rechtsrats Ernst Rohmeder. Der Kommission gehörten drei Mitglieder des Magistrats, des Gemeindekollegiums und des ersten Komitees sowie Kreisbaurat Förster, Baurat Simon und Landgerichtsdirektor Dr. Meyer an.

Durch Einsatz des Komitees gelangte das Vermächtnis von F. Fischer in die Hände der Stadt.

Das Denkmal-Komitee wählte die Kaiserhöhe (nordöstlich der Stadtmitte, zwischen Schlossstraße und Prinzenbuck, Flur Nr. 1429/3) als Bauplatz für das geplante Denkmal aus. Am 31.10.1901 erwarb Restaurateur Franz Muck das Baugrundstück für 975 Mark.

Nach dem Kauf des Grundstücks wurde die Form des Bismarck-Denkmals beraten und festgelegt. Das Komitee entschied sich für eine Bismarck-Feuersäule nach dem preisgekrönten Entwurf von Wilhelm Kreis. Kreisbaurat Förster änderte den Entwurf jedoch in Details ab. Auffallend sind die eckigen Kanten (statt Dreiviertelsäulen) der Ansbacher Bismarcksäule.

Ende 1901 standen ca. 11.000 Mark zur Verfügung, die Baukosten waren auf 14.500 Mark veranschlagt worden. Der Restbetrag sollte durch Spenden der Bevölkerung aufgebracht werden. Auf finanzielle Hilfe seitens der Stadt wollte das Komitee verzichten, um Proteste nicht national gesinnter Bürger zu vermeiden.

Im Jahr 1902 spendete der örtliche Verschönerungsverein 1.000 Mark, von Bismarck-Verehrern wurden insgesamt 4.000 Mark zum Bau dazugegeben.

Am 12.01.1903 wurde der Antrag zur Ausführung der Bismarck-Säule beim Bauamt eingereicht. Dem Antrag wurde am 19.02.1903 stattgegeben.

Am 08.03.1903 wurden die Ausführungsarbeiten öffentlich ausgeschrieben. Insgesamt gingen sechs Angebote auf die Ausschreibung ein. Den Zuschlag erhielt die Ansbacher Baufirma Gebr. Wörlein, das Angebot dieser Firma lag sogar 3.000 Mark unterhalb des Kostenvoranschlages.

Das eingesparte Geld wurde zwecks Erhöhung der Säule von 12 m auf 12,70 m und der damit verbundenen Verstärkung des Baus verwendet.

Die Gesamtkosten für Turm und Bauplatz betrugen 18.000 Mark.


Bauarbeiten

Am 17.03.1903 wurde mit dem Bau der Feuersäule begonnen.

Als Baumaterial wurde Muschel-Kalkstein aus den Steinbrüchen Wanderer in Gattenhofen bei Rothenburg o.d.T. verwendet. Insgesamt wurden 33 Waggons zu 200 Zentner angefahren.

Die Bauoberleitung übernahm Kreisbaurat Josef Förster aus Ansbach, die Bauführung erfolgte von Herrn Hitzler aus Ansbach.

Weitere beteiligte Handwerker:

Spenglerarbeiten: Spenglermeister Diemer
Schlosserarbeiten: Schlossermeister Lotter
Schreinerarbeiten: Schreinermeister Förster

Am 01.04.1903 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Um 10:30 Uhr wurde in Anwesenheit des Regierungspräsidenten von Mittelfranken, Ludwig Freiherr von Welser (1841 – 1931), den Mitgliedern der gemeindlichen Kollegien mit Bürgermeister Geh. Hofrat Ludwig von Keller (1839 – 1911) und dem Vorstand des Gemeindekollegiums, Kgl. Kommerzienrat Krauß sowie Bismarckfreunden der Grundstein gelegt. Kupferschmied Angerer hatte eine kupferne Kassette für die Grundsteinlegung gespendet. Fürst Herbert von Bismarck spendete eine Bismarck-Eiche aus dem Sachsenwald.

Nach nur knapp 5 Monaten Bauzeit war der Turm am 13.08.1903 vollendet.


Turmbeschreibung

Die Bismarcksäule wurde als Aussichtsturm mit Feuerschale errichtet.

Als Basis des 12,70 m hohen Turmes dient ein 0,80 m hoher Unterbau (schräge Podeststufe, die sich zum Turm hin auf 0,85 m erhöht) mit einer Grundfläche von 6,45 m x 6,55 m. Darauf erhebt sich der 1,72 m hohe Sockel des Turmes mit einer Grundfläche von 4,45 m x 4,55 m.

Die ebenerdig gelegene Eingangstür (1,10 m x 2,25 m) befindet sich auf der Nordostseite des Bauwerks.

Der Turmschaft (4,21 m x 4,31 m) erhebt sich auf dem Sockel der Bismarcksäule.

Die vier Kanten des Turmschaftes bestehen bei dem Bismarcksäulen-Entwurf "Götterdämmerung" aus Dreiviertelsäulen, sind bei der Ansbacher Säule aber kantig ausgebildet. Der Architrav ist eckig und die Bekrönung kragt im Bereich der Feuerschale viereckig heraus. Auf der Südost- und der Nordwestseite ist im oberen sowie im unteren Drittel der Säule je ein vergittertes Fenster eingelassen.

Die auf dem Turmkopf angebrachte viereckige Feuerpfanne (Größe 3,60 m²) wurde mit Scheitholz, 200 kg Kolophonium (Harzprodukt) und 50 Litern Petroleum befeuert. Die Flammen erreichten eine Höhe von 7 - 8 m bei einer Brenndauer von 1,5 - 2 Stunden.

Der Turm weist als einzigen Schmuck ein Reichsadlerrelief mit einem Bismarckwappen auf der Brust des Adlers (Herzschild) zur Stadtseite (Südwestseite) hin auf. Darunter ist als Inschrift der Name

"BISMARCK"

angebracht.

Auf der Nordwestseite ist die Inschrift

"Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt".

zu lesen.

Im Innern gelangt man über eine linksdrehende Wendeltreppe aus Muschelkalkstein mit 64 Stufen zur 3,30 m x 3,30 m (Innenmaße: 2,20 m x 2,20 m) großen Aussichtsplattform. Die ursprüngliche Brüstungshöhe betrug 0,95 m (nach Abnahme der Feuerschale und Umbauarbeiten heute: 0,43 m).

Durch eine 1,08 m x 0,68 m große Klappluke (Holz) ist die Aussichtsplattform heute zu betreten.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung der Bismarcksäule fand am 02.09.1903 (Sedantag) statt. Nach den feierlichen Ansprachen übergab Kreisbaurat Förster das Bauwerk an die Stadt Ansbach, die die weitere Unterhaltung der Säule übernahm.

Nach einem Fackelzug der Turner wurde die Feuerschale unter dem Gesang „Flamme empor“ von R. Flex aus Eisenach entzündet.

Vor 1914 kostete die Besteigung der Säule 10 Pfennig. Im 1. Weltkrieg wurden Schlachtensiege vom Bismarckturm aus mit Böllerschüssen gefeiert.

In den 1930er Jahren fanden am Turm mehrfach Aufmärsche und Kundgebungen der Nationalsozialisten statt.

Nach 1945 planten die Amerikaner die Sprengung des Bismarckturmes. Aufgrund des großen Bedarfs an Sprengstoff verzichteten die Kommandeure auf die Zerstörung des Bauwerkes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Turm mehrmals saniert, zuletzt in der 2. Jahreshälfte 1978 für 55.000 Mark von Steinmetzmeister Leonhard Giebler. Die Sanierung wurde vom damaligen Bundestagsabgeordneten und Bundesentwicklungsminister Carl-Dieter Spranger (CSU) mit Nachdruck vorangetrieben. Er bezeichnete den Bismarckturm als "Mahnmal der deutschen Einheit".

Die Feuerpfanne auf dem Turm wurde bei dieser Sanierung abgenommen und durch eine Blech-Abdeckung ersetzt. Dadurch wurde die Nutzung als Aussichtsturm möglich. Ende September 1979 waren die Außenarbeiten an der Säule abgeschlossen.

Zwischen Juni 1986 und September 1988 wurde die kunstvolle Metalltür (mit Wappen Bayerns und Ansbachs) gegen eine einfache Metalltür ausgetauscht.

Da die Aussichtsplattform heute nur eine 0,43 m hohe Brüstung besitzt, ist eine Turmbesteigung nur unter Aufsicht möglich.

Eine Turm-Öffnung mit Möglichkeit der Besteigung (unter Aufsicht) war erstmals 1995 am Tag des offenen Denkmals möglich. Seitdem wurde der Turm in bestimmten Jahren am Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet.

Zwischen Mai und August finden alle 14 Tage samstags - bei gutem Wetter - ökumenische Gottesdienste am Bismarckturm statt (Stand: 2016, St. Lambertus Gemeinde Ansbach).


Ansprechpartner:

Alexander Biernoth, Stadt Ansbach, E-Mail: biernoth (at) ansbach.org


Links

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 33-34
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von ANSBACH (Bayern)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 96 "Bismarck-Feuersäule zu Ansbach", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5; Nr. 4, S. 4, Nr. 5, S. 9), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) zu Ansbach"
- Biernoth, Alexander: „Mit meterhohen Flammen des Reichskanzlers gedacht“ in Fränkische Landes-Zeitung Nr. 179 vom 06.08.2003


Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (September 2003, Mai 2016)
- Ralph Männchen, Dresden (Juli 2006)
- Alexander Biernoth, Ansbach (September 2004, September 2009)
- Lars Lenzner, Hückeswagen (Juni 2011)
- Marek Moson, Breslau (Mai 2016)


AK Entwurf Bismarckturm Ansbach
Foto Bismarckturm Ansbach 2006 (Fotograf: Ralph Männchen)
Foto Bismarckturm Ansbach 2004
AK Bismarckturm Ansbach
Foto Aussicht von Aussichtsplattform Bismarckturm Ansbach