Update: 18.08.2016

Bismarckturm am Segelflugplatz
Der Bismarckturm in Mosbach

Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturmes wurde vom Odenwaldklub angeregt.

Am 28. Juni 1901 bildete sich unter Vorsitz des Bürgermeisters Jakob Renz aus Mosbach ein Denkmalausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule auf dem Hamberg.

Man entschied sich gegen den von der deutschen Studentenschaft preisgekrönten Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis und wählte den heimischen Architekten Philip Fleischmann aus Mosbach, der diesen Turm als Aussichtsturm mit Feuerschale (ähnlich dem Entwurf "Götterdämmerung“ von Architekt Wilhelm Kreis) entwarf.

Die Finanzierung des Turmbaus erfolgte durch Spenden. Noch im Jahr 1901 wurde in der heimischen Zeitung zu Spenden aufgerufen.

Der Vorsitzende des Denkmalausschusses, Jakob Renz, gründete am 22.06.1902 einen Denkmalfonds für das geplante Bauwerk.

Am 12.11.1902 fand in Mosbach ein Laienkonzert zum Besten des Bismarckfeuersäule auf dem Hamberg statt.

Da im Denkmalfonds bis Ende 1903 immer noch nicht genügend Geldmittel für den Turmbau vorhanden waren, wurde am 16.01.1904 in der Zeitung erneut zu Spenden aufgerufen.

Die Gemeindeversammlung Schreckhof beschloss am 14.12.1904, den Bauplatz für den Bismarckturm auf dem Hamberg bei Mosbach (das Bauwerk lag in der Gemarkung von Neckarelz) unentgeltlich abzutreten. Der Wert des Grundstückes wurde auf 10 Mark geschätzt. Der Gemeinderat Schreckhof stimmte der Schenkung erst am 31.05.1906 (über ein Jahr nach der Einweihung des Turmes) zu.

Bis Ende 1904 spendeten auch die Gemeinden Schefflenz und Haßmersheim, der Flottenverein Mosbach, der Odenwaldclub, der Verschönerungsverein sowie Bürger aus Mosbach und Umgebung für das Bauwerk.

Die Gesamtkosten von 2.645,87 Mark blieben in Relation zu den Baukosten anderer Bismarcktürme sehr niedrig, da ein Teil der Steine an Ort und Stelle gebrochen werden konnte, der Entwurf und Bauleitung unberechnet blieben und das Baugrundstück eine Schenkung war.

Am 12.12.1904 (nach anderer Quelle am 16.11.1904) konnte der Grundstein für das Bauwerk gelegt werden.


Bauarbeiten

Als Baumaterial für den Turm wurde roter und graugrüner Sandstein sowie an Ort und Stelle gebrochener blauer Kalkstein verwendet.

Die Bauarbeiten wurden durch die Bauunternehmer Gosswin Kober und Michael Mittmesser aus Neckarelz ausgeführt. Die Inschriften fertigte Steinmetz Herold aus Tiefenbach, die Feuerschale wurde von der Gießerei Röth aus Neckarelz gefertigt.

Während der Bauarbeiten Anfang des Jahres 1905 schlossen die Gemeinde Neckarelz und die Stadt Mosbach einen Vertrag über die Anlage eines 1,20 m breiten Fußweges vom Bauernbrunnen auf dem Vorderen Hamberg.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 9,50 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung hat einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 3,80 m. Der Turm wurde aus Bruchsteinmauerwerk errichtet, welches mit roten und weißen Sand- und Kalksteinen verblendet wurde.

Das Bauwerk ähnelt in seiner Ausführung der Kreis‘schen Bismarcksäule, jedoch sind die Dreiviertelsäulen am Turmschaft, dem Architrav und dem darüber liegenden Aufbau weniger wuchtig ausgeführt.

Das (nicht sichtbare) 0,90 m tiefe, quadratische Turm-Fundament hat eine Seitenlänge von 4,00 m.

Der sich nach oben verjüngende Turmsockel hat eine Gesamthöhe von 3,70 m. Der Turmeingang auf der Ostseite ist durch eine Steintreppe mit zwei Stufen (heute wegen Aufschüttung keine Stufen mehr sichtbar) erreichbar.

Durch den 1,96 m x 0,90 m großen Turmeingang gelangt man in die Eingangshalle des Bauwerks (lichte Weite 2,80 m x 2,80 m).

Über dem Eingang ist eine Sandsteintafel (1,30 m x 0,50 m) mit der Inschrift

"BISMARCK·
1815-1898·"

angebracht.

Über 38 Stufen einer rechtsdrehenden Spindelwendeltreppe aus Sandstein (mit Metallgeländer) im Innern ist die Aussichtsplattform erreichbar.

Oberhalb des auskragenden Sockelabschlusses (3,60 m x 3,60 m) erhebt sich der nach oben hin verjüngende Turmschaft. Die vier Kanten des Schaftes bestehen aus schmalen Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav (Höhe 0,45 m) mit einstufigem Oberbau (Höhe 0,70 m) zusammengehalten werden.

Auf drei Seiten des Turmschaftes sind Rundbogenöffnungen (jeweils 1,10 m x 0,70 m groß) angebracht. An der Südseite ist über dem Fenster auf einem Oval die Jahreszahl

1905

eingehauen. Auf der Nordseite ist keine Fensteröffnung vorhanden, das Fenster ist nur angedeutet und trägt die Inschrift:

"ERBAUT
1905."

An der Südostecke des Turmes ist die Inschrift

"Archt.
Fleischmañ."

eingehauen.

Die oben aufgesetzte quadratische Feuerpfanne (Kantenlänge 1,70 m), die auf einem 2,00 m hohen schmiedeeisernen Gestell befestigt ist, wurde mit Scheitholz, Teer und Petroleum befeuert. Die Feuerpfanne, gefertigt in der der Eisengießerei von L. Röth aus Neckarelz, weist drei kreisrunde Öffnungen mit einem Durchmesser von jeweils 0,10 m auf.

An den Ecken der Aussichtsplattform sind Vorrichtungen zur Fahnenstangenbefestigung installiert.


Turmgeschichte

Am 02.04.1905 um 15:30 Uhr wurde die Einweihung des Bismarckturmes in Mosbach gefeiert. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde das Bauwerk an die Stadt Mosbach übergeben. In den Abendstunden wurde erstmals das Feuer auf dem Turm entzündet.

In den 1950er Jahren wurde die Feuerschale zur Sommersonnenwende befeuert (Johannisfeuer).

Die 1952 gegründete Fliegergruppe Mosbach e.V. legte den Hamberg im Jahr 1957 als endgültigen Standort ihres Segelflugplatzes Schreckhof fest. Der Segelflugplatz grenzt im Süden unmittelbar an den Standort des Bismarckturmes.

Am 15.04.1975 wurden Neckarelz (Standort des Bismarckturmes) und Mosbach im Zuge der Kreisreform zur Stadt Mosbach vereinigt. Neckarelz ist heute ein Stadtteil von Mosbach.

Nach 1985 wurde das Erdreich um den Bismarckturm um 0,85 m erhöht. Die zweistufige Treppe zum Eingangsbereich ist seitdem nicht mehr sichtbar. Die erkennbare Gesamthöhe des Bauwerks beträgt seitdem nur noch 8,65 m.

Im Jahr 2005 wurde das Bauwerk vom Städtischen Bauhof für 4.500 EURO saniert und durch ein Gittertor verschlossen. Die Feuerschale ist noch vorhanden.

Zum 100. Jubiläum des Turmes, am 02. April 2005, führte der Verkehrsverein eine Führung durch.

Das Bauwerk ist im Mai 2016 in einem guten Zustand.

Der Schlüssel ist über die Fliegergruppe Mosbach e.V. oder über die Tourist-Information Mosbach entleihbar.


Links

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Fliegergruppe Mosbach e.V.

Tourist-Information Mosbach


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 275
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von MOSBACH (Baden-Württemberg)
- Messner, Werner: Der Bismarckturm – geschichtliche Hintergründe im Reich und sein Bau in Mosbach (Rede-Skript zum 100jährigem Jubiläum am 02.04.2005)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 113 "Bismarck-Feuersäule bei Mosbach", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 2, S. 3); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 5, S. 6; Nr. 8, S. 9), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)


Fotos

- Joachim Schulz (Juli 1999)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (September 2004, Mai 2016)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Mai 2007, September 2011)
- Lars Lenzner, Hückeswagen (Februar 2006, Januar 2012)
- Albrecht Behrends, Bochum (April 2009)
- Marek Moson, Breslau (Mai 2016)


AK Bismarckturm Mosbach um 1906
Foto Feuerschale Bismarckturm Mosbach Mai 2007 (Fotograf: Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch]
Entwurf Bismarcktum Mosbach