Update: 14.08.2014

Roter Sandstein aus dem Neckartal
Die Bismarcksäule in Heidelberg

Bauplanung

Die Heidelberger Studentenschaft regte den Bau dieser Bismarcksäule an.

Es wurde ein Sonderausschuss der Studentenschaft zur Errichtung der geplanten Bismarcksäule gebildet, der am 23.02.1899 eine vertrauliche Besprechung durchführte. An dieser Besprechung nahmen auch einiger Bürger aus Heidelberg teil. Im Laufe der Besprechung wurde festgelegt, einen separaten Ausschuss (Komitee) zu bilden, in welchem Beamte und Privatleute vertreten sein sollten. Vorsitzender dieses Ausschuss war Bürgermeister Prof. Dr. Ernst Walz. Gemeinsames Ziel war, die Errichtung einer Bismarcksäule in Heidelberg durch Zusammenarbeit des studentischen und des Bürgerausschusses zu ermöglichen.

Nach Beginn der Semesterferien im Frühjahr 1899 versandte der studentische Ausschuss Sammellisten für die Bismarcksäule. Zur gleichen Zeit erwarb die Stadt Heidelberg einen Bauplatz für die Säule auf dem Westhang des Heiligenberges (auch Kutzelhecke genannt) und schenkte diesen der Studentenschaft. Das Forstamt fällte einige Bäume und auf dem Baugrund wurde ein Gerüst aufgestellt, um die Fernwirkung zu prüfen.

Am 09.06.1899 wurde mit einem Aufruf der beiden Ausschüsse die Bevölkerung um finanzielle Unterstützung beim geplanten Projekt aufgefordert. Bis zum 21.06.1899 (dieser Tag wurde als „dies academicus“ festgelegt, an dem Bismarck jährlich geehrt werden sollte) wurden bereits 5.500 Mark für die Bismarcksäule gespendet. An diesem Tag fand ein Fackelzug von über 500 Studenten zum Bismarckdenkmal im Bismarckgarten statt.

Die Bismarckturm-Ausschüsse entschieden sich für den preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis, dessen Baukosten auf 16.000 Mark geschätzt wurden.

Im Herbst 1899 war der Baufonds auf 8.000 Mark angewachsen. Der studentische Ausschuss beschloss, ein studentisches Festspiel zum Besten der Bismarcksäule durchzuführen.

Ende Mai 1900 fanden an vier Abenden der Studentenschaft Aufführungen „lebender Bilder“ statt, die einen Reinertrag von 2.800 Mark für den Baufonds einbrachten.

Im Frühjahr 1901 waren 13.000 Mark gesammelt, sodass die Grundsteinlegung auf Sommer 1901 terminiert wurde [eine Grundsteinlegung wurde nicht durchgeführt].

Der Ausschuss der Heidelberger Studentenschaft beschloss am 11.06.1901, den Bismarckgendektag am 21.06. mit einem Fackelzug zur Bismarcksäule zu feiern.

Am 17.10.1901 wurde vom Ausschuss festgelegt, dass die Bismarcksäule höher (15 m oder 18 m) als bisher vorgesehen gebaut werden sollte, da um den Platz Kastanienbäume stehen sollten, die bei der bisher geplanten Bauhöhe von 10 m geopfert werden mussten. Um Kosten zu sparen, sollte die Ausführung des Baus in Schichtmauerwerk vorgenommen werden. Nur einzelne herausragende Teile sollten in behauenen Stein ausgeführt werden.

In einem Sitzungsbeschluss des Ausschusses am 20.11.1901 wurde die Höhe der Säule auf 15 m festgesetzt. Bei der Grabung eines Bohrloches hatte sich herausgestellt, dass der Baugrund von guter Qualität war. Die Kosten für die 15 m hohe Säule wurden auf 15.000 Mark, ohne Baugrund und Steinmaterial, geschätzt. Die Ausführung der Säule sollte wie bei der Bismarcksäule Friedrichsruh erfolgen. Architekt Wilhelm Kreis wurde beauftragt, einen Entwurf im Maßstab 1:50 bis April 1902 zu liefern.

Aufgrund des eingegangenen Entwurfes von Wilhelm Kreis wurde Baumeister Georg Busch am 07.06.1902 gefragt, ob er die Ausführung nach diesem Entwurf übernehmen wollte. Dazu sollte Baumeister Busch eine detaillierte Kostenaufstellung liefern und garantierten, dass die Einweihung etwa Ende Oktober 1902 erfolgen konnte. Die Kostenberechnung von Georg Busch mit einer Summe von 15.806 Mark ging am 26.06.1902 ein. Der Baumeister schlug vor, eine Innentreppe ohne Zwischengeschosse zur Plattform führen zu lassen. Die Ausführung an ihn wurde am 28.06.1902 vergeben.

Die Stadtgemeinde gab am 05.07.1902 bekannt, dass sie Steine aus dem Stadtwald für den Bau der Säule zur Verfügung stellte.

Die insgesamt knapp 19.600 Mark Baukosten wurden von der Studentenschaft (7.100 Mark) und durch freiwillige Sammlungen in der Bürgerschaft (2.500 Mark)  aufgebracht.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten starteten im Juli 1902.

Nach Baubeginn stellte sich heraus, dass die Steine aus dem Stadtwald nicht oder nur zum Teil verwendbar waren und dass sich die Baukosten durch Neubeschaffungen aus den Neckartaler Steinbrüchen erhöhen würden.

Die 15 m hohe Säule wurde aus rotem Sandstein gebaut, der teilweise in der Nähe der Baustelle gebrochen und teilweise aus Neckartaler Steinbrüchen beschafft wurde.

Am 27.09.1902 erhielt Baumeister Busch seine erste Abschlagszahlung von 7.000 Mark.

Die Ausschüsse beschlossen am 01.12.1902, die Übergabe der Säule an die Stadt im Januar 1903 durchzuführen. Am 08.12.1902 wurden die Umgebung der Säule und die Zufahrtswege planiert. Die Bauarbeiten konnten Ende Dezember 1902 beendet werden.

Eine Probebefeuerung am 03.01.1903 wurde durchgeführt, bei der sich eine Befeuerungsmasse aus Pech, Torfmull und geringem Petroleumzusatz bewährt hatte (ergab eine tiefrote Flamme bei schwachem Funkenflug).


Turmbeschreibung

Als Basis des 15 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsmöglichkeit dient ein einstufiges quadratisches Podest mit einer Seitenlänge von 6,75 m.

Der Podeststufe ist auf der Nordseite des Turmes eine Steintreppe mit vier Stufen vorgelagert. Von der Treppe aus erreicht man den etwas vorgesetzten 1,80 m tiefen und 1,20 m breiten Eingangsbereich des Turmes.

Oberhalb der Podeststufe erhebt sich der eigentliche quadratische Sockel  mit einer Seitenlänge von 4,00 m x 4,00 m (Innenmaße 3,15 m x 3,15 m). Der Sockelbereich hat in 1,50 m Höhe bei Ansatz der Dreiviertelsäulen zwei kleinere Abstufungen.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit vierstufigem Oberbau zusammengehalten werden. Das abgerundete umlaufende Band unterhalb des Architravs ist deutlich ausgeprägt.

Auf der Südseite der Säule ist als einziger Schmuck ein in Stein gehauenes großes Reichsadlerrelief (Motiv: Reichsadler bändigt die Schlange der Zwietracht) angebracht.

An drei Seiten des Turmes (Nord-, Ost- und Westseite) ist mittig jeweils ein schmales schießschartenähnliches Fenster eingelassen. Über der Wulst ist jeweils im Westen, Süden und Osten eine Fensteröffnung vorhanden.

Über eine steinerne Wendeltreppe im Innern mit 74 Stufen gelangt man zur Aussichtsplattform. Die Innentreppe ist links außen angelegt und führt rechtsdrehend in acht Vierteldrehungen nach oben. Der Ausgang auf die 3,30 m x 3,20 m breite Plattform besitzt eine verschließbare Türkappe. Die Brüstung ist 1,30 m hoch und 0,25 m breit.

Auf dem Turmkopf wurde eine runde, gusseiserne Feuerschale (Durchmesser 2,50 m, Tiefe 0,30 m, Totalhöhe 0,45 m, Gussstärke 20 mm, Kosten 500 Mark) angebracht. Die Feuerschale wurde auf einem Gestell mit einer Grundfläche von 1,50 m x 1,50 m mit vier gebogenen und miteinander verbundenen Metallfüßen angebracht.

Das Gewicht der Feuerschale beträgt 800 kg. Gefertigt wurde die Feuerschale von der Aktiengesellschaft für Eisen und Bronze-Gießerei, vormals Carl Flick aus Mannheim. Für die Befeuerung wurde ein spezielles Gemisch aus 100 kg Talg, 150 kg Garn und Werg (Flachs- und Hanfabfall), 12 kg Pechkränze sowie Pechfackeln verwendet, die mit 80 Liter Erdöl übergossen und entzündet wurden. Dabei wurde eine Flammenhöhe von 4 bis 5 m bei einer Brenndauer von 1 bis 1,5 Stunden erreicht. Später wurde eine 4 m hohe und vierteilige Gestellkonstruktion in die Schale gestellt, an der Brennmaterial befestigt wurde, um eine höhere Flamme zu erzielen.

Zur Stadtseite hin ist ein Reichsadlerrelief mit der Schlange der Zwietracht, gefertigt von Bildhauer August Sommer, angebracht.


Turmgeschichte

Am Montag, den 19.01.1903 wurde die Einweihung feierlich im Beisein der Studentenschaft durchgeführt. Um 17:00 Uhr fand ein Fackelzug der Studenten zur Säule statt. Die Spitzen der Behörden, der Studentenausschuss und die Abordnungen der Korporationen gruppierten sich um die Säule, als der Fackelzug eintraf. An den Ecken der Bismarcksäule waren Pechfackeln entzündet worden und das Feuer auf dem Turmkopf war erstmals offiziell entzündet worden.

Der Vorsitzende des Komitees (Ausschuss der Bürgerschaft, Bürgermeister Prof. Dr. Ernst Walz, übergab dem Vorsitzenden des Studentenausschusses, Student Wiltberger (Karlsruhensia) mit einigen Worten die Bismarcksäule. Dieser übergab den Turm nach einer Ansprache an die Stadt Heidelberg. Oberbürgermeister Dr. Wilckens übernahm die Säule in das Eigentum der Stadt Heidelberg. Abends wurde ein Festkommers veranstaltet.

Im Januar 1903 legte Baumeister Busch seine Gesamtabrechnung in Höhe von knapp über 19.000 Mark vor. Am 13.02.1903 erhielt er die zweite Abschlagszahlung in Höhe von 5.000 Mark.

Die Stadt Heidelberg beschloss am 14.02.1903, dem früheren Waldhüter Nägelein aus Handschuhsheim die Aufsicht über die Bismarcksäule zu übertragen. Der Zugang zur Säule war ganzjährig zu bestimmten Öffnungszeiten (von November bis Februar von 11:00 – 16:00 Uhr, in den anderen Monaten von 08:00 – 18:00 Uhr) möglich.

Am 02.04.1903 regte der Stadtrat an, das Bauwerk zu Bismarcks Geburtstag beleuchten zu lassen. Das Honorar für den Architekten Wilhelm Kreis (3 % der Bausumme / 570 Mark) wurde am 07.04.1903 überwiesen.

Am 26.04.1903 legte Bismarcksäulen-Aufseher Nägele ohne Kündigung die Aufsicht nieder. Vorübergehend wurde der Turm von Waldhüter Arnold betreut, ab dem 01.08.1903 wurde Hilfsfeldhüter Heinstein eingestellt.

Zur Sommersonnenwende am 21.06.1903 veranlasste die gesamte Heidelberger Studentenschaft aus Anlass der Einweihung der Friedrichsruher Bismarcksäule und zur Feier der Sonnenwende einen Fackelzug zur Bismarcksäule in Heidelberg, welche in den Abendstunden befeuert wurde.

Auch 1904 und in den Folgejahren wurde das Bauwerk jeweils zur Sommersonnenwende befeuert. Im Jahr 1906 wurden die Befeuerungskosten (350 Mark) von der Stadtverwaltung getragen.

Das Forstamtpersonal meldete Anfang Juli 1907, dass der Abfluss unterhalb der Feuerschale verstopft und das Rohr zersprungen sei. Die Reparaturarbeiten wurden am 13.07.1907 durchgeführt.

Mitte Februar 1908 konnte das Komitee die Restschuld von knapp 450 Mark an den Baumeister begleichen. Das Komitee löste sich darauf am 08.04.1908 auf.

Die Kosten für die Befeuerung zur Sommersonnenwende am 21.06.1908 übernahm erneut die Stadt, die Studentenschaft musste nur die Kosten für die zur Überwachung erforderlichen Arbeiter (100 Mark) bezahlen.

Am 30.07.1923 informierte die Polizei das Hochbauamt, weil an der Bismarcksäule ein großes Hakenkreuz aufgemalt worden war. Dieses wurde am 31.07.1923 entfernt.

Im August 1924 wurden mehrere Schäden am Bauwerk festgestellt: das Treppengeländer war teilweise reparaturbedürftig, das Wasserableitungsrohr im unteren Bereich gestohlen, die Feuerschale wies einen Sprung auf und die Eingangstür war stark verrostet. Am 18.09.1924 wurden 150 Mark für die Reparaturarbeiten bewilligt.

Am 31.07.1925 musste erneut ein Hakenkreuz entfernt werden.

Das Städtische Hochbauamt übernahm ab dem 13.01.1926 offiziell die Unterhaltung aller steinernen Aussichtstürme.

In den 1970er Jahren legten die Revolutionären Zellen (RZ) nahe der Bismarcksäule ein "Kriegsdepot" an. Die Polizei fand Ende der 1970er Jahre bei einer groß angelegten Suchaktion dieses Depot der RZ mit Sprengstoff, Handgranaten, Zündern und mehreren Tausend Schuss Munition.

Die Bismarcksäule wurde von April bis Oktober 1985 für rund 100.000 DM saniert. Dabei wurde die aus Stahlbeton bestehende Säulendecke herausgenommen und die Sandsteintreppe saniert. Die zersprungene und verrostete Feuerschale wurde am 23.04.1985 abgenommen und nach Instandsetzung Ende Juli 1985 wieder an der alten Stelle, etwas erhöht, montiert. Am Feuerschalenrand wurde der Schriftzug „R 1985“ angebracht.

Vor der Sanierung war das Bauwerk mehrere Jahre wegen Unfallgefahr für Besucher verschlossen.

Am 19. Januar 2003 wurde die Bismarcksäule 100 Jahre alt. Im Juni 2003 wurde das Jubiläum der Säule durch ein Volksfest am Bismarckturm gewürdigt. In der Feuerschale wurde nach Angaben des Veranstalters ein Gedächtnisfeuer entzündet, welches an die neue Deutsche Einheit erinnern sollte.


Öffnungszeiten

Die Säule ist als Aussichtsturm ganztägig zugänglich. Die Feuerschale ist noch erhalten. Vom Turm hat man eine - durch Bäume nur leicht eingeschränkte - gute Aussicht auf die Stadt Heidelberg.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 195
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von HEIDELBERG (Baden-Württemberg)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 83 "Bismarck-Feuersäule zu Heidelberg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, ohne Nummer: „Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) zu Heidelberg“
- SWR, Skript Rundfunksendung Landeskultur vom 13.01.2003 „100 Jahre Bismarckturm in Heidelberg“
- Zirlewagen, Marc: "Sinnbild der Einheit-Deutschlands - Die Bismarcksäule auf der Rotehnburg im Kyffhäuser", S. 85-86, BoD Norderstedt, 2014


Fotografen

- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Mai 2007)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (September 2001, April 2008)
- Albrecht Behrends, Bochum ( April 2009)


AK Bismarckturm Heidelberg beflammt
AK Bismarckturm Heidelberg 1949
AK Bismarckturm Heidelberg 1906