Update: 20.01.2016

Bismarckturm im Konzertgarten
Der Bismarckturm in St. Pauli / Hamburg

Vorbemerkungen

Neben dem in den Jahren 1901 bis 1906 errichteten Bismarck-Denkmal im Hamburger Elbpark (Gesamthöhe 34,30 m) gab es, nur 280 Meter Luftlinie entfernt, auch einen Bismarckturm, der im Jahr 1889 als Aussichtsturm von "Hornhardt’s Etablissement“ errichtet worden war.

An diesem Turm wurde bis 1908 der Schriftzug "Bismarckturm" über dem Eingang angebracht.

Über dieses seit 1926 zerstörte Bauwerk ist trotz Recherchen beim Hamburger Staatsarchiv und St.-Pauli-Archiv nur wenig bekannt.


Vorbemerkungen 2 („Der Trichter“)

An der Reeperbahn 100 (Südseite, dem sog. Spielbudenplatz) befand sich seit 1805 der sog. "Trichter", ein Erfrischungspavillon, der wie ein Trichter aussah und vom Volksmund darauf „Trichter“ genannt wurde.

Im Jahr 1813 wurde der Trichter von den Franzosen niedergebrannt. Bereits 1822 entstand ein achteckiger Gartenpavillon mit integriertem Kupferofen, Lauben, offenen Veranden und Billardräumen. Eine Bierhalle samt Biergarten wurde im Jahre 1868 eröffnet, es wurden Frühschoppen-Konzerte und später tägliche Promenaden-Konzerte durchgeführt.


Bauplanung und Bauarbeiten

Von 1885-1889 erbaute Christian Hornhardt "Hornhardt‘s Etablissement", welches er am 21.12.1889 eröffnete. Er errichtete eine 19 m hohe Kuppel mit einem Durchmesser von 33 m und nutzte den polygonalen Raum mit riesigem Kronleuchter und Logen als Konzertsaal. Er schuf eine umfangreiche Anlage mit Gartenwirtschaft und großem Konzertsaal und Konzertgarten. Der ebenfalls im Jahr 1889 errichtete Aussichtsturm grenzte direkt an den großen rundbogigen Eingang des Konzertgartens. In der Gaststätte gab es neben der Restaurationshalle und dem Speisensaal einen Bismarck-Saal.


Turmbeschreibung

Der prunkvoll gestaltete, ca. 22 m hohe Aussichtsturm mit Beleuchtungsfunktion (Laterne auf Turmkopf) war direkt an das große rundbogige Eingangsportal angeschlossen.

Der viereckige Turm hatte in ca. 15 m Höhe eine umlaufende Aussichtsplattform mit Brüstung. Der Turmkopf wies acht kleinere Ziergiebel auf und war mit einer großen Laterne bekrönt.


Turmgeschichte

Anlässlich der Einweihung der Bismarcksäule Friedrichsruh am 21.06.1903, zu der über tausend Studenten nach Hamburg reisten (die Hamburger Bürgerschaft stellte Übernachtungsmöglichkeiten in Hamburg zur Verfügung), wurde im Etablissement Hornhardt eine Ausstellung gezeigt.

Im Jahr 1905 war "Hornhardt‘s Etablissement" aufgrund der großen Konkurrenz im direkten Umfeld heruntergewirtschaftet und sollte veräußert werden. Das ehemalige "Hornhardt-Etablissement wurde im Jahr 1906 grundlegend saniert und nach Eigentümerwechsel in "Carl C.E. Clausens Konzertgarten" umbenannt. Im Jahr 1914 schloss der Konzertgarten und wurde im Jahr 1920 durch mehrere Wirte als „Ballhaus Trichter“ neu eröffnet. Im Jahr 1926 wurde der Garten mit dem großen Kinokomplex „Schauburg St. Pauli“ und dem „Speisehaus Nagler“ überbaut, dabei wurde auch der Bismarckturm abgerissen. Alle Bauten wurden bei Fliegerangriffen zwischen 1942 und 1945 zerstört.

Der ehemalige Standort des Turmes lag in der heutigen Straße "Beim Trichter". Im Jahr 1969 wurde auf den Resten der Bauten das "Astra-Bowling-Gebäude" errichtet.


Der Aussichtsturm als „Bismarckturm“

Der Aussichtsturm wurde entweder um 1901 (Baubeginn Bismarck-Standbild Elbpark) oder nach Übernahme durch C.E. Clausen im Jahre 1906 in "Bismarckturm" umbenannt. Die nachträgliche Benennung des Turmes als "Bismarckturm" könnte mit der Einweihung des benachbarten 35 m hohen Bismarck-Denkmals im Hamburger Elbpark am 02.06.1906 in Zusammenhang stehen.

Von der Aussichtsplattform dieses Turmes hatte man eine gute Sicht auf das 280 m östlich befindliche Bismarck-Standbild. Die Besucher der Gartenwirtschaft bzw. des Konzertgartens hatten somit jederzeit die Möglichkeit, einen Blick auf den steinernen Bismarck und auf andere Sehenswürdigkeiten von St. Pauli / Hamburg zu werfen.

Der Standort des Bismarckturmes lag auf dem Baugrundstück der 2012 errichteten "Tanzenden Türme" in Hamburg.


Links (ehemaliger Standort)

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Pini, Udo: Zu Gast im alten Hamburg, Hugendubel, München, 3. Aufl. 1997, S. 150-153
- 100 Jahre Vereinigung Hamburger Akademikerverbände 1903 – 2003, Herausgeber: Akademischer Bismarck-Ausschuss, Festschrift, S. 22
- Korrespondenz mit dem St.-Pauli-Archiv und dem Staatsarchiv Hamburg (September 2004)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (historische Ansichten)


Ansichtskartenmotiv 1908: Konzerthausen Klausen, linksseitig Bismarck-Standbild,
Mitte Bismarckturm