Update: 28.10.2017
Die Bismarckwarte in den Müggelbergen
Der Bismarckturm in Berlin-Köpenick

Vorbemerkungen

Neben der Bismarckwarte in den Müggelbergen gab es noch zwei weitere Initiativen zur Errichtung einer Bismarckwarte bzw. einer Bismarcksäule in Berlin.

Bereits im Juni 1899 sammelte die Berliner Studentenschaft für eine Berliner Bismarcksäule. Es wurde ein Bismarckausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule gegründet, die Mitglieder kamen aus dem Bürgertum und der Studentenschaft. Zahlreiche Veranstaltungen zwecks Finanzierung dieses Vorhabens wurden durchgeführt. Im Jahr 1902 wurde beschlossen, dass die geplante Feuersäule - in direkter Konkurrenz zur Bismarckwarte auf dem Müggelbergen - in Charlottenburg (Westend) errichtet werden soll.

Am 29.11.1906 wurde der Verein „Bismarckwarte Westend“ gegründet. Zunächst wurde ein Entwurf des Architekten Friedrich Möller (Architekt des Bismarckturmes auf dem Knivsberg) gewählt. Im Jahre 1911 wurden die drei Architekten Bruno Schmitz, Emil Schaudt und R. Leibnitz zu einem eigenen Wettbewerb aufgefordert.

Der eingereichte Entwurf von Bruno Schmitz (Feuerstätte als polygonale Ring-Architektur, veranschlagte Kosten: 400.000 Mark) wurde im Mai 1911 vom Preisgericht ausgewählt. Trotz eines bereits gesammelten Turmfonds von 200.000 Mark kam es nicht zur Ausführung des Baus, dessen Einweihung am 01.04.1915 geplant war. Das Scheitern dieses Projektes wurde mit dem Tod einer der Hauptförderer (Generalmajor Becker) sowie des Rücktritts der Terraingesellschaft von der kostenlosen Überlassung des Baugrundstücks (Höhe von Westend) begründet.

Im Jahr 1907 wurde eine Bismarcksäule auf dem Lindenplatz in (Berlin-)Weißensee geplant. Am 30.07.1908 wurde in Weißensee statt einer Bismarcksäule ein Bismarck-Gedenkstein eingeweiht.


Bauplanung Bismarckwarte Müggelberge

Anfang 1899 trafen sich auf Initiative von Amtsgerichtsrat Müller aus Köpenick mehrere Bismarckverehrer, um die Errichtung einer Bismarcksäule auf den Müggelbergen in die Wege zu leiten. Bei einem Kaiser-Geburtstags-Essen in Köpenick wurden 74 Mark als Grundstock für den Bau gesammelt. Innerhalb von drei Monaten erhöhte sich der Grundstock auf 1.000 Mark.

Am 16.05.1899 wurde im Gartensaal des Restaurants "Dampfschiff" in Köpenick ein vorläufiger "Verein zur Errichtung einer Bismarcksäule auf den Müggelbergen" unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Müller gegründet. Es wurde beschlossen, Lokalkomitees zu gründen und Geldsammlungen einzuleiten. Die Kosten für die Säule schätzte man auf 15.000 Mark, hoffte aber, diesen Betrag durch Verwendung von Findlingen zum Unterbau reduzieren zu können.

Als Turmstandort einigte man sich nach einer Ortsbesichtigung im September 1899 auf den mittleren, abgeflachten Kegel der Müggelberge (105 m über NN), der kurz darauf den Namen „Bismarckhöhe“ erhielt. Nach der Standort-Besichtigung fasste man mehrheitlich den Beschluss, nicht den Standard-Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Kreis für eine "kleinere Säule", sondern ein monumentales Bauwerk errichten zu lassen, da ein kleiner Bau für diese Anhöhe nicht geeignet schien und nicht "der landschaftlichen Schönheit des Bauplatzes entspräche". Zudem beantragte Landmesser Schwanhäufer im Auftrag des vorläufigen Vereins die Bewilligung des geplanten Bauplatzes bei der Forstbehörde. Die Bewilligung für den Bauplatz und die Anlage von Zugangswegen wurde erteilt.

Am 25.01.1900 wurde im Rahmen einer großen Versammlung der Verein „Bismarck-Warte“ mit Sitz in Köpenick unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Müller in den Concordia-Sälen gegründet. An der Versammlung nahmen 50 Personen teil. Erster Vorsitzender wurde Amtsgerichtsrat Müller aus Köpenick, als 2. Vorsitzender wurde Amtsvorsteher Klut aus Friedrichshagen gewählt. Der Vorstand bestand aus fünf Mitgliedern und 16 Beisitzern. Mitglied des Vereins "Bismarck-Warte" konnte jeder Deutsche werden, der einen Jahresbeitrag von 6 Mark sowie eine einmalige Aufnahmegebühr von 30 Mark zahlte.

Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte am 20.03.1900. Es wurde vereinsintern ein Entwurf des Architekten Möller aus Berlin vorgestellt, eine Beschlussfassung über die Form des Turmes wurde wegen der der noch ungenügenden Geldmittel zurückgestellt.

Der Vorsitzende Müller wurde kurz nach der Vereinsgründung, am 01.04.1900, als Landgerichtsdirektor nach Berlin berufen und musste sein Amt als Vorsitzender des Vereins niederlegen. Dadurch kam es zu Verzögerungen bei den weiteren Planungen zum Turmbau.

Da der 1. Schriftführer des Vorstands, Prof. Dr. Hentig, den vereinsintern nicht genehmigten Entwurf des Architekten Möller an das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten geschickt hatte, kam es zu Unstimmigkeiten zwischen Verein und Regierung. Kaiser Wilhelm II. genehmigte diesen Entwurf mit einigen eigenhändig vorgenommenen Änderungen (u.a. keine Kaiserkronen an den vorderen Pfeilern). Zudem setzte sich Prof. Dr. Hentig mit dem studentischen Ausschuss in Verbindung, der zeitgleich den Bau einer Bismarckwarte in Berlin (Westend) planten. Der 1. Schriftführer plante, diese Studenten für ein gemeinsames Vorgehen zu gewinnen.

Bei einer öffentlichen Versammlung mit den Studentenvertretern am 27.03.1900 im Hotel Arnim (Unter den Linden 44 in Berlin) wurden u.a. mehrere Bismarckturm-Entwürfe ausgestellt. Die Studenten propagierten einen anderen Standort für den Turm im Westen Berlins. Eine Einigung kam nicht zustande, ein gemeinsames Vogehen scheiterte. Prof. Dr. Hentig trat im Vereinsvorstand - nach einem selbst beantragten und letztendlich negativen Vertrauensvotum - zurück.

Der neue Vorsitzende, Forstmeister Kottmeier, konnte die Differenzen mit der Regierung nach Offenlegung des konkreten Sachverhaltes ausräumen.

Im November 1900 wurde ein Wettbewerb für eine Bismarckwarte in Köpenick ausgeschrieben. Die Kosten für den Bau sollten dabei 70.000 Mark nicht überschreiten.

Insgesamt gingen 43 Entwürfe ein, die alle vom 15.01. bis 19.01.1901 im Teltower Kreishaus in Berlin ausgestellt wurden. Zur Ausführung gewählt wurde in der Mitgliederversammlung am 29.01.1901 im Restaurant "Dampfschiff" der Entwurf „Fasolt“ des Architekten Otto Rietz aus Berlin.

Geldmittel in Höhe von 50.000 Mark erhoffte sich der Verein "Bismarck-Warte" aus einer beschlossenen Lotterie. Die Gesamtkosten für den Turmbau wurden nun auf 70.000 - 80.000 Mark geschätzt. Für den Architekten wurden 5.000 Mark Künstlerhonorar in vier Raten beschlossen.

Kurz darauf wurde ein Arbeitsausschuss aus drei Mitgliedern gebildet.

Der Bau der Bismarckwarte wurde von Kaiser Wilhelm II. im Frühjahr/Sommer 1901 genehmigt.

Am 25.10.1901 wurde zwischen dem Verein und dem Architekten Rietz ein Vertrag über die von ihm zu leitende Oberaufsicht beim Turmbau sowie ein Postkartenvertrag bezüglich Anfertigung und Verkauf von Ansichtskarten (zwischen Architekt Rietz und der Fa. Schröder & Co. in Berlin) geschlossen.

Bis November 1901 hatten mehrere Gemeinden Beiträge für die Bismarckwarte bewilligt, die Stadt Köpenick stellte 1.000 Mark zur Verfügung.

Während der Bauvorbereitungen stellte sich heraus, dass die Baukosten auf ca. 110.000 Mark ansteigen würden. Der Verein fühlte sich nunmehr an den Vertrag vom 25.01.1901, der eine maximale Bausumme von 70.000 Mark vorgab, nicht mehr gebunden.

Im Juni 1902 schuf das Gardepionierbataillon Berlin eine Zufahrtstraße zur geplanten Warte.

Die für September 1902 geplante Grundsteinlegung musste wegen Differenzen zwischen Regierung und dem Verein "Bismarck-Warte" auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Zu dieser Zeit war der Baufonds auf 60.000 Mark angewachsen. Die restlichen 40.000 Mark sollten über eine Brauerei finanziert werden, die nahe der Bismarckwarte eine Restaurationsbetrieb errichten sollte. Der Verein hatte dazu zwei Morgen Land gepachtet, direkt neben dem Ausstieg der Warte. Die Regierung wollte das Land aber nur verpachten, wenn das Restaurationsgebäude baulich der Warte angepasst werden würde.

Auf einer Mitgliederversammlung am 24.10.1902 wurde die Bausumme nun auf maximal 120.000 Mark festgesetzt. Der Arbeitsauschuss wurde zudem ermächtigt, mit Baufirmen in Verbindung zu treten. Mit dem bauausführenden Maurermeister Scharnke aus Berlin wurde ein Vertrag abgeschlossen. Dieser hatte zuvor ein Angebot über die Gesamtbaukosten von 63.315,70 Mark vorgelegt. Die Grundsteinlegung sollte am 01.04.1903 stattfinden.

Bei der Mitgliederversammlung am 14.01.1903 wurde festgestellt, dass der Spendenstand derzeit erst bei 50.000 Mark (im Gegensatz zu den Angaben im September 1902, s.o.) angekommen war.

Der Berliner Magistrat wollte dem Verein "Bismarck-Warte" im Februar 1903 insgesamt 3.000 Mark spenden. Bei einer Abstimmung in der Berliner Stadtverordnetenversammlung wurde diese Summe abgelehnt.

Nach Aufforderung des Vereins Anfang März 1903, weitere Geldbeträge zu spenden, wuchs der Baufonds innerhalb weniger Wochen auf über 60.000 Mark.


Bauarbeiten

Die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister Scharnke aus Berlin.

Als Baumaterial für die Verblendung und den weiteren Schmuck der Warte wurde Rüdersdorfer Kalkstein aus dem Königlichen Bergwerk Rüdersdorf verwendet. Als Hintermauerung wurden Ziegelsteine genutzt.

Die Arbeiten wurden von folgenden Firmen, Handwerkern und Künstlern durchgeführt:

Leitung bei der künstlerischen Ausschmückung: Bildhauer August Gaul, Berlin (1869 – 1921)
Brandenburgischer Adler, Fürstenkrone: Bildhauer Max Meißner
Polierarbeiten: Polier Wolf
Granitfreitreppen und Bildhauerarbeiten: Steinmetzfirma Otto Penseler, Berlin-Wilmersdorf
Kunststeintreppe innen: Gebr. Friesecke, Berlin
Kunstschmiedearbeiten: Fa. Stahl & Sohn, Berlin
Provisorische Hallenausschmückung: Fa. Bernau, Berlin

Der erste Spatenstich erfolgte im Februar 1903. Der avisierte Termin für die Grundsteinlegung (01.04.1903) konnte wegen Anliefer- und Transportschwierigkeiten nicht eingehalten werden. Die feierliche Grundsteinlegung fand darauf am 23.05.1903 ab 16:30 Uhr statt. Es wurde ein Festzug zur Baustelle durchgeführt. Die Festrede hielt der 1. Vorsitzende der Vereins "Bismarck-Warte", Oberforstmeister Kottmeier. Bei der Grundsteinlegung fehlten kurzfristig Vertreter der Familie Bismarck sowie der Landwirtschaftsminister. Die kaiserliche Familie war ebenfalls nicht vor Ort.

Da während der Baumaßnahmen noch Gelder fehlten, wurde in der Vorstandssitzung am 24.06.1903 beschlossen (und in der Mitgliederversammlung vom 03.07.1903 bekräftigt), dass Anteilsscheine für die noch fehlenden Baukosten von insgesamt 60.000 Mark zu je 100 Mark bei einer Verzinsung von 4 % ausgegeben werden. Die Verzinsung sollte aufgrund der Einnahmen durch Ansichtskartenverkäufe, Mitgliederbeiträge, Eintrittsgelder und Veranstaltungen gesichert sein. Bis kurz vor der Einweihung wurden Anteilsscheine im Wert von 50.000 Mark abgenommen. Der Berliner Magistrat verweigerte die Zeichnung von Anteilsscheinen.

Im Oktober 1903 war die Bismarckwarte bereits zur Hälfte errichtet. Bis Januar 1904 wuchs der Turm auf eine Höhe von 32 m. Am 16.05.1904 konnte der Schlussstein gesetzt werden, am 20.05.1904 wurde das Richtfest gefeiert. Nach dem Richtfest wurden die bildhauerischen Arbeiten von Bildhauer August Gaul durchgeführt.

Am 11.08.1904 wurde die erste, am 02.09.1904 die zweite Probebefeuerung durchgeführt. Hier wurde ein Gemisch aus Kolophonium, Teer und Petroleum vom Fabrikanten H. Gimborn aus Köpenick in einem Eisengerüst in Form einer Pyramide mit drei Blechpfannen, die in der vorhandenen Feuerpfanne installiert war, ausprobiert. Dies führte zu einer Flammenhöhe von 5 m und einer Brenndauer von 1,5 Stunden. Mit den Resultat der Probefeuerungen war man aufgrund der fehlenden Dauerhaftigkeit des Aufbaus nicht zufrieden.

Der ursprünglich geplante Einweihungstermin am 02.09.1904 konnte nicht eingehalten werden, da das Bauwerk noch nicht komplett fertig gestellt war. Der Einweihungstermin wurde daraufhin auf den 18.10.1904 festgelegt.

Kurzfristig wurde der Einweihungstermin mit Rücksicht auf die eventuelle Anwesenheit Kaiser Wilhelms II., der am 18.10.1904 bei der Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Museums teilnahm, um zwei Tage auf den 16.10.1904 vorverlegt.

An der feierlichen Einweihung am 16.10.1904 nahmen Vertreter von 110 Vereinen aus dem Kreis Niederbarnim und Vertreter von 80 Vereinen aus dem Kreis Teltow teil. Als Ehrengäste waren der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, Theobald von Bethmann-Hollweg, der Potsdamer Regierungspräsident Rudolf von Schulenburg, die Landräte von Niederbarnim (Johann Carl Sigismund von Treskow) und Teltow (Ernst von Stubenrauch) sowie die Gemeindevertreter von Köpenick, Friedrichshagen und Grünau anwesend.

Der erste Vorsitzende Kottmeier hielt die Weiherede und bei Einbruch der Dunkelheit wurde erstmals offiziell das Feuer auf der Bismarckwarte entzündet.


Turmbeschreibung

Die 40 m hohe Bismarckwarte wurde als Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit errichtet.

Stufen-Unterbau

Als Basis der Bismarckwarte diente ein 25,00 m x 25,00 m großer quadratischer Unterbau, der über jeweils 5,25 m breite Treppenanlagen (ohne beidseitige Begrenzungsmauern 3,75 m Treppenbreite) auf der Nordseite (Haupteingang) sowie auf der Ost- und Westseite zu besteigen war.

Die drei Treppenanlagen ragten jeweils 3,55 m über den Unterbau hinaus, sodass die Gesamtbreite des Fundaments inklusiv der Treppen 32,10 m (Ost-/Westachse) und 28,55 m (Nord-/Südachse) betrug.

Der mehrfach abgestufte Unterbau hatte eine Gesamthöhe von 4,50 m. Über insgesamt 23 Stufen gelangte man von den drei Seiten auf die untere Aussichtsebene im Bereich des Turmsockels mit insgesamt drei Eingängen zur Gedächtnishalle.


Untere Aussichtsebene / Turmsockel

Die untere Aussichtsebene hatte einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 17,50 m (Länge ohne Umfassungsmauern: 16,70 m). Der mittig auf der Aussichtsebene platzierte, 8,50 m hohe Turmsockel hatte einen quadratischen Grundriss (12,00 m x 12,00 m). An der Ost- und Westseite kragte der vorstehende Eingangsbereich (5,10 m x 1,20 m) heraus (an der Nordseite 5,10 m x 0,95 m).

Das 5,00 m x 2,00 m große Hauptportal der Warte lag auf der Nordseite. Das Portal war von halbrunden Säulen umrahmt und oberhalb des Sturzes mit einem steinernen Löwen (5,50 m breit und 4,00 m hoch) bekrönt. Der Löwe, der aus 25 m³ Gestein bestand und 65 t wog, sollte als Sinnbild für die Kraft Bismarcks stehen. Unterhalb des Löwen (von Tier-Bildhauer August Gaul geschaffen) war die steinerne (erhabene) Aufschrift

FURCHTLOS UND TREU

angebracht.

Beim Betreten des zweiflügeligen, schmiedeeisernen Eingangsportals gelangte man in die 60 m² große und 4,50 m hohe Gedächtnishalle mit Wölbdecke. Die beiden insgesamt 1.750 kg schweren Portalflügel waren mit einem jungen Eichenstamm mit dem Schild Bismarcks verziert.

Auf der Ost- und Westseite gelangte man über die Treppen zum vorstehenden Eingangsbereich. Durch je 2,30 m breite zweiflügelige Portale betrat man ebenfalls das Innere der Gedächtnishalle.

Für die Rückseite der Warte entwarf Bildhauer August Gaul in gleicher Höhe wie der Löwe eine auf einem Kissen ruhende Fürstenkrone.

Der nach oben mehrfach abgestufte Sockel mündete in den Turmschaft.


Turmschaft und Aussichtsplattform

Der 16 m hohe Turmschaft verjüngte sich von 8,76 m (oberhalb des abgestuften Sockels) auf 6,20 m unterhalb der oberen Aussichtsplattform. Direkt oberhalb des Ost- und Westportals waren halbrunde Rednerbalkone angebracht.

Auf der Nordseite war ein 5,90 m x 3,30 m großes rechteckiges Relief mit dem Brandenburger Adler und der darunter befindlichen (erhabenen) Aufschrift

UNSEREM
BISMARCK

angebracht. Das Relief wurde von Bildhauer Max Meißner aus Berlin geschaffen. Die Größe des Adlers im Relief betrug 3,50 m x 2,50 m.

Für die Pfeilerbögen der oberen Plattform schuf Bildhauer Meißner vier stilisierte Heldenköpfe.

Von der Halle war der Aufstieg im Innern des Turmschafts bis zur oberen Aussichtsplattform in 29 m Höhe über zwei je 1,20 m breite Wendeltreppen mit je 166 Stufen möglich.

Die auskragende Aussichtsplattform (Außenmaße: 8,00 m x 8,00 m) schloss den eigentlichen Turmschaft nach oben hin ab.


Turmkopf und Feuerschale

Mittig der oberen Aussichtsebene erhob sich der am Fuß 5,70 m x 5,70 m breite Turmkopf. Über eine schmale Wendeltreppe war die oberste, nicht für das Publikum frei zugängliche Aussichtsebene über eine schmale Wendeltreppe erreichbar.

Die oberste Aussichtebene in 36 m Höhe kragte auf eine Größe von 7,00 m x 7,00 m aus. Durch einen rechteckigen Aufbau mit Tür gelangte man zur 4 m² großen, fest eingemauerten Feuerschale.

Die Höhe des Turmkopfes inklusive der Feuerschale betrug 11 m.

Diese Feuerschale wurde nach den beiden Probeversuchen mit dem Gemisch der Fa. Gimborn aus Köpenick bis zum 17.11.1904 erfolgreich mit dem Fiedler'schen Verfahren getestet, welches durch Zuführung von drei Atmosphären Druck Sauerstoff zu einem Emporlodern der Flammen bis zu einer Höhe von über 15 m führte.

Die von R. Fiedler aus Berlin erfundene Installation zur Erzielung einer höheren Flamme bestand aus einer Zentralstation mit Druck-, Regulierungs- und Kontrolleinrichtungen, aus einem Betriebskessel sowie einem ausgeklügelten Röhrensystem. Eine maximale Flammenhöhe von 18 m konnte mittels eines Gebläses erreicht werden.

Die Kosten der Feuerschale betrugen 500 Mark, die zusätzliche Installation der Fa. Fiedler schlug mit 1.500 Mark zu Buche.

Aus Kostengründen (eine Befeuerung war 450 Mark teuer) verzichtete man bereits vor 1907 größtenteils auf diese Art der Befeuerung und verwendete bengalisches Rotfeuer. Die Fiedler‘sche Anlage wurden u.a. ebenfalls beim Bismarckturm in Pritzwalk verwendet.


Nicht realisierte Planungen

Folgende Pläne wurden nicht realisiert:

-      Eine Bismarck-Statue für das Innere der Gedächtnishalle
-      Bronze-Reliefs und Glasmosaiken (Fenster)
-      Die endgültige Ausschmückung der Gedächtnishalle
-      Der Vorbau der Warte in Form einer großen halbkreisförmigen Terrassenanlage


Turmgeschichte

Die trigonometrische Abteilung der kgl. preußischen Landesvermessung errichtete auf dem Turm eine trigonometrische Station.

Am 01.04.1905 und am 01.04.1906 wurde die Bismarckwarte befeuert, die Flammenhöhe betrug 20 Meter. Rechts- und linksseitig des Turmsockels wurden zusätzlich Holzstöße entzündet.

Aufgrund nicht geleister Zahlungen an den Architekten des Turmes Otto Rietz gab es nach der Einweihung Spannungen zwischen dem Architekten und dem Verein. Man einigte sich darauf, dass der Erbauer der Warte am 01.10.1907 sowie am 01.04.1908 jeweils 10.000 Mark erhalten soll. Die ersten 10.000 Mark schenkte der damalige Landrat des Kreises Teltow, die weiteren 10.000 Mark wurden am 31.03.1908 ebenfalls im Auftrag des ehemaligen Landrats von Teltow beglichen.

Am 19.08. und 20.08.1908 wurde die Bismarckwarte im Rahmen eines zweitägigen Festes jeweils um 20:30 Uhr begalisch beleuchtet.

Im Jahr 1909 stellte man witterungsbedingte Schäden am Turm fest, der Rüdersdorfer Kalkstein zeigte sich nicht so wetterfest wie erwartet.

Der Verein deutscher Studenten zu Berlin führte am 18.06.1910 die Sommersonnenwendfeier an der Bismarckwarte durch.

Im Rahmen des großen Sommerfestes an der Oberspree wurde die Bismarckwarte am 10.08. und 11.08.1910 bengalisch beleuchtet.

Am 01.05.1913 wurde vom Verband "Nationaler Verein von Groß-Berlin" eine große volkstümliche Jahrhundertfeier an der Bismarckwarte geplant.

Eine Befeuerung der Bismarckwarte erfolgte zum 100. Geburtstag von Otto von Bismarck am 01.04.1915. Der Wind drückte de Flammen zuerst nach unten, später wurde "die Lohe in riesenhafte Höhe" getrieben und spiegelte sich in den "Wässern des Müggelsees".

Völkische Verbände führten im Juni 1924 eine Sonnenwendfeier mit Hakenkreuzfahnen durch. Die Feier unter freiem Himmel wurde verboten und verlagerte sich in angrenzende Lokale. Der Bismarckturm wurde großräumig von Schutzpolizeimannschaften abgesperrt.

Bei einer Besichtigung der Bismarckwarte anlässlichen der 25-jährigen Grundsteinlegung im Mai 1928 durch Architekt Rietz stellte dieser fest, dass das Bauwerk den Witterungsverhältnissen gut widerstanden hat.

In den Jahren 1928/29 kostete der Eintritt 20 Pfg.

Vor Oktober 1929 wurden an der Warte Sanierungsarbeiten durchgeführt, neue eiserne Türen wurden angebracht, zudem wurden Gitter und massive Eckhäuschen am Vorplatz angelegt.

Am 12.10.1929 fand anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Warte ein Festkommers vom Verein „Bismarck-Warte“ auf den Müggelbergen statt. Am Abend des darauffolgenden Tages wurde der Turm festlich beleuchtet.

Am 01.04.1933 fand trotz schlechter Witterung eine Feier zum Geburtstag Bismarck an der Warte statt, an dem Studentenabordnungen, Polizei, Jugendbünde, Stahlhelmmannschaften u.v.a. teilnahmen. Der Turm wurden von Scheinwerfern angestrahlt. Reichsminister Göbbels hielt eine Ansprache am Bismarckturm und nutzte diese für Propagandazwecke (u.a. gegen Marxismus und Bolschewismus).

Das olympische Feuer wurde von Berliner Schülern am 07.08.1936 über Köpenick bis in die Müggelberge getragen, wo es während der Spiele in der Bismarck-Warte brannte.

Die Sprengung der gesamten Anlage erfolgte im Frühjahr 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Deutschen wollten der herannahenden Sowjetarmee keine Orientierungspunkte für den Marsch auf Berlin bieten, so dass der Bismarckturm (wie auch einige Kirchtürme) gesprengt wurde.

Reste des Turmes waren im Jahr 2004 nicht mehr vorhanden.


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 52
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-WARTE von (BERLIN-)KÖPENICK
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 108 "Bismarck-Warte (Feuersäule) auf den Müggelbergen bei Cöpenick", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5; Nr. 4, S. 4), 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 3, Nr. 3, S. 2; Nr. 4, S. 2; Nr. 6, S. 2, Nr. 9, S. 2, Nr. 10, S. 3; Nr. 11/12; S. 9), 3. Jahrgang 1905 (Nr.2, S. 3,4, 7; Nr. 5, S. 7 ), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 61; Nr. 7/8, S. 114), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 5, S. 72 + Beilage „Die Bismarck-Feuersäule“), 6. Jahrgang 1908 (Nr. 2, S. 24), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 4, S. 65), 8. Jahrgang 1910 (Nr. 3, S. 43) 9. Jahrgang 1911 (Nr. 6, S. 118), 10. Jahrgang 1912 (Nr. 2/3; S. 33/34), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 2, S. 27; Nr. 3, S. 41)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 76 "Die Bismarck-Warte auf den Müggelbergen bei Köpenick"
- Überblick über die Geschichte des Vereins "Bismarck-Warte" während seines fünfjährigen Bestehens 1899-1904 von Schulrat Dr. Renisch, Selbstverlag des Vereins, Coepenick 1904
- Zentralblatt der Bauverwaltung vom 05.09.1900, S. 428
- Berliner Börsenzeitung, Berliner Tageblatt, Altonaer Nachrichten, Volkszeitung, Hamburgische Nachrichten, Berliner Volkszeitung, Hamburgischer Correspondent von 1899-1939 (detaillierte Aufstellung der Zeitungsausgaben auf Anfrage)


Foto Reste der gesprengten Bismarckwarte Berlin-Köpenick 1945