Update: 13.04.2008

Die Studentenschaft und Bismarck Teil 2 - Entwürfe

Am 3.12.1898 waren auf Initiative der Burschenschaft Alemannia zu Bonn Vertreter von mehr als dreißig Universitäten und Hochschulen erschienen. Es wurde ein Aufruf an das deutsche Volk verfasst, Bismarcksäulen im ganzen Reich zu errichten. Zur Erlangung eines passenden und würdigen Entwurfes sollte ein Wettbewerb unter allen deutschen Architekten gestartet werden.

Unter Leitung von Professor Paul Wallot berieten die Studenten über die Bedingungen des Wettbewerbes.

Man verabredete folgende Grundsätze für die Architekten, die allerdings insbesondere bezüglich des Materials und den Einzelheiten der Ausschmückung „in zweckmäßiger Weise angepasst werden“ durften.

  1. Hinsichtlich Form und Gestaltung sollten den Künstlern keine Vorschriften gemacht werden.
  2. Der obere Teil des Denkmals sollte so ausgestaltet sein, dass darauf Feuer entzündet werden können.
  3. Als Material sollte „härtester wetterbeständiger deutscher Granit“ verwendet werden.
  4. Die Bismarcksäule sollte „auf ragender Höhe fern von anderen größeren Gebäuden“ errichtet werden.
  5. Die Kosten sollten 20.000 Mark (für eine 10 m hohe Säule) nicht übersteigen.
  6. Die Säulen sollten in unterschiedlicher Größe, je nach Spendenaufkommen, zu fertigen sein.

Die Entwürfe sollten bis zum 1. April 1899 (Einsendeschluss) nach Eisenach gesandt werden.

Geldpreise wurden, obwohl sonst üblich, in diesem Fall nicht ausgesetzt. Die Architekten der zehn besten Entwürfe sollten einen schlichten Eichenkranz aus Schmiedeeisen erhalten. Der beste Entwurf sollte in möglichst allen Hochschulstädten ausgeführt werden und dem ganzen deutschen Volke empfohlen werden.

Das Preisgericht setzte sich aus sehr bekannten Architekten zusammen:

  1. Prof. Paul Wallot aus Dresden (1841 – 1912, u.a. Architekt des Reichstagsgebäudes in Berlin)
  2. Prof. Hermann Ende aus Landsberg an der Warthe (1829 – 1907, u.a. Architekt des Justizministeriums in Tokio)
  3. Ober-Ingenieur F. Andreas Meyer aus Hamburg (1837 – 1901, u.a. Architekt und oberster Planer der Speicherstadt in Hamburg)
  4. Professor Carl Schäfer aus Karlsruhe (1844 – 1908, u.a. altkatholische Kirche in Karlsruhe)
  5. Prof. Friedrich von Thiersch aus Marburg an der Lahn (1852 – 1921, u.a. Architekt des Justizpalastes München)

Die Studentenschaft wurde im Preisgericht vertreten durch Albert Leicher aus Bonn, Walther Hoffmann aus Heidelberg und Paul Bredereck aus Berlin.

An die Bürgermeister sämtlicher Städte über 5.000 Einwohner, an alle Landräte, an Bezirksamtmänner, an die Vertrauensmänner, an Vorsitzende nationaler Vereine usw. wurden Flugschriften verschickt, die den Aufruf an das deutsche Volk und einen vorläufigen Kostenplan enthielten. Insgesamt wurden etwa 50.000 – 60.000 Briefe versandt. Nationale Vereine wie der Alldeutsche Verband regten die Bildung von Ausschüssen an und unterstützten das Vorhaben der Studenten.

Bereits am 23.01.1899, als der Ausschuss der deutschen Studentenschaft in Würzburg tagte, war bereits bekannt, dass viele deutsche Städte sich entschlossen hatten, Bismarcksäulen zu errichten. In etwa einhundert Städten hatten sich zu dieser Zeit bereits Ausschüsse gebildet oder waren „in Bildung begriffen“.

Feste Zusagen gab es aus fast allen Hochschulstädten sowie aus den Städten Metz, Hagen, Kirn an der Nahe, Birnbaum, Lüdenscheid, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Köln, Godesberg, Norderney, Moers, Iserlohn, Hildesheim, Erfurt und Meiningen.

Auch am Wettbewerbs-Aufruf hatten sich bereits mehrere Künstler beteiligt.

Die Sammlungen für die beiden von der deutschen Studentenschaft geplanten Säulen in Friedrichsruh und Straßburg wurden ebenfalls fortgesetzt.

Am 21. und 22.04.1899 entschied das Preisgericht über die eingegangenen 317 Entwürfe. Als Ausführungsentwurf (1. Platz) wählte es den Entwurf „Götterdämmerung“ der Architekten Wilhelm Kreis.

Bismarcksäulen nach dem Entwurf „Götterdämmerung“ wurden letztlich insgesamt 47-mal gebaut. Insgesamt waren über 410 Bismarcktürme geplant, von denen bis 1934 insgesamt 240 errichtet wurden.

In einigen Fällen wurden auch andere beim Wettbewerb eingereichte Entwürfe gebaut, z.B. in Unna (Entwurf „Keiner war wohl treuer…“) von Bruno Schmitz.

Die Bismarcksäule in Netzschkau wurde nach dem Entwurf „Haide“ von Wilhelm Thurm errichtet, der Bismarckturm in Bad Salzuflen erinnert stark an den Entwurf „Schlicht“ des Architekten Franz Hartmann aus Dresden (Baurat Böhmer aus Detmold setzte diesen Entwurf um.).

In den meisten Fällen wurden sie nicht als reine Feuersäulen, sondern als Aussichtsturm mit Feuervorrichtung konzipiert. Eine Befeuerungsvorrichtung trugen letztendlich 167 Türme, manche wurden auch bengalisch (Hagen) oder in einem Fall elektrisch (Mülheim an der Ruhr) illuminiert.

Die Bismarcksäule der deutschen Studentenschaft in Friedrichsruh wurde am 21.06.1903 in Anwesenheit von 1.000 Teilnehmern eingeweiht, die Säule in Straßburg wurde nie errichtet (die diesbezüglichen Planungen wurden 1906 endgültig eingestellt).


Mehr über die Verbindung von der Studentenschaft zu Otto von Bismarck auf der Seite Studentenschaft

Die besten 26 Entwürfe des Bismarcksäulen-Wettbewerbes in der Galerie


Quellen:

„Bismarck-Ehrung durch die Deutsche Studentenschaft“ von Walther Hoffmann, Verlag Otto Peters, Heidelberg 1899

„Die Burschenschaft Alemannia zu Bonn und ihre Vorläufer“, Zweiter Band: 1890 – 1924, Bonn 1925 (Eigenpublikation)

„Deutsche Konkurrenzen“, X. Band, Heft 3 „Bismarcksäulen“, von A. Neumeister, Karlsruhe, 1899


Dank an Michael Hacker (Burschenschaft Alemannia zu Bonn) für Korrekturen und Ergänzungen!


Link:

Burschenschaft Alemannia Bonn