Update: 13.04.2008

Befeuerung der Bismarcksäulen
Arten, Tage und Probleme der Befeuerung

Merkmal jeder Feuersäule ist die meist auf der Turmspitze aufgesetzte Feuerschale (auch Feuerbecken, -pfanne, -korb), die zu Bismarcks Ehren befeuert werden sollte. Wie bei den Erläuterungen der einzelnen Türme ersichtlich, sind Art, Material und Größe (Durchmesser von 25 cm bis 5 m) der Feuerschale sehr unterschiedlich. Häufig wurden die Feuerschalen aus Schmiede- oder Gusseisen gefertigt, es gab u.a. aber auch Ausführungen aus Kupfer, Eisenblech oder Beton.

Auch als Brennmaterial wurden sehr unterschiedliche Stoffe eingesetzt.
Hier ein paar Beispiele:

Holzprodukte:
Scheitholz, Hobelspäne, Sägemehl, Reisig, Holzwolle, Fichten-, Birken- und Buchenholz, Fassdauben, Baumstümpfe

Erdölprodukte:
(Erd)Öl, Kienöl (aus Kiefernholz), Rüböl, Gasöl, Asphalt, Benzin, Benzol, Gas, Spiritus, Petroleum, Teer, (Illuminations)Pech

Sonstiges:
Putzwolle, Fett, (Rinds-)Talg, Kieselgur (Erdart), Torf, Naphthalin (Kohlenwasserstoff), Garn, Werg (Flachs- oder Hanfabfall), Bengalfeuer, Baumwolldochte

Meist erfolgte die Befeuerung durch mit Petroleum getränktem Holz oder durch Holz mit Zusätzen (Teer oder Pech). Durch mehrere durchgeführte Probefeuerungen bei einzelnen Türmen ermittelte man das jeweils beste Brennmaterial. Viele "Feuerwerker" hatte hier eigene Rezepturen.

Problem bei der Befeuerung mit Holz war die Gefahr des Funkenfluges. Bei einigen Türmen wurde durch ein Röhrensystem Gas, Erdöl oder Benzol zur Feuerschale gepumpt. Manche Türme erhielten - trotz Protesten - nur Scheinwerfer als Beleuchtung (z.B. Mülheim/Ruhr, wurden aber nachträglich entfernt).

Einige Türme wurden von Anfang an (z.B. Hagen, Kassel) oder auch erst zu späteren Zeiten bengalisch ("Rotfeuer") beleuchtet.

Genauere Angaben zu den einzelnen Arten, Kosten und Dimensionen der Befeuerung sind auf den einzelnen Turmseiten aufgeführt.

Bei einer Umfrage durch den Bismarck-Bund im März 1906 wurde festgestellt, dass die "Feuersäulen-Brände" nicht wie geplant einheitlich durchgeführt wurden. Von 94 bis zu dieser Zeit fertiggestellten Feuersäulen brannten (Mehrfachnennungen möglich) am

31.03. oder 01.04. (Bismarcks Geburtstag) 63 Feuersäulen

21.-24.06. (Sommersonnenwende) 30 Feuersäulen

30.07. (Bismarcks Todestag) 5 Feuersäulen

01. oder 02.09. (Sedanstag) 28 Feuersäulen

Durch Abstimmung der einzelnen Feuersäulen-Ausschüsse wollte man einen einheitlichen Brenntag bestimmen. Bei der Abstimmung gewann der 01. April. Da dieser Tag jedoch an den Hochschulstandorten in die Semesterferien fiel, war eine Befeuerung der Säulen an den vielen Hochschulstandorten nicht möglich. So blieb die Befeuerung der Säulen auch weiter uneinheitlich.

In der Inflationszeit der 20er Jahre war die Befeuerung aus Kostengründen vielfach nicht mehr möglich. Auch war der Bismarck-Mythos nach dem 1. Weltkrieg nicht mehr so lebendig wie zuvor. In einzelnen Orten wurden die Türme bis in die 50er Jahre hinein (meist zur Sonnenwende) befeuert.

Einige Türme wurden zu Jubiläumsveranstaltungen (z.B. oben links in Markneukirchen als Feuerwerk auf dem Turm zur 100-Jahr-Feier im Jahr 2000) "beleuchtet". In Lützschena-Stahmeln (Leipzig) wird der Turm zur Sommersonnenwende seit 1997 regelmäßig befeuert.


Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)
Tschechische Version dieser Seite (Dank an Claus Steffen und Slavomír Michalcík für Übersetzung)